Carl Hansen & Søn ist die Marke, die dem Stuhl seinen Satz gegeben hat. Der CH24 Wishbone Chair - die Y-Rückenlehne, der handgeflochtene Papierkordelsitz, das Buchen- oder Eichengestell - steht in dänischen Küchen, deutschen Esszimmern und japanischen Architekturbüros an denselben Tischen, an denen seine Besitzer wichtige Entscheidungen treffen. Kein anderer Möbelhersteller der Welt hat ein einzelnes Modell über einen so langen Zeitraum und in einer so hohen Auflage in handwerklicher Qualität produziert: über eine Million CH24 seit 1949, jeder einzeln von einem Tischler in Gelsted bei Odense zusammengebaut. Diese Geschichte beginnt früher - bei einem Tischlermeister aus Odense, bei einem Entwurf aus dem Jahr 1908, und bei einer Partnerschaft, die das dänische Möbeldesign des zwanzigsten Jahrhunderts mitdefiniert hat.

Carl Hansen & Søn auf einen Blick

Vier Generationen Familientischlerei in Odense

Die Geschichte von Carl Hansen & Søn beginnt 1908 in Odense - nicht in einem Designstudio, sondern in einer Werkstatt. Carl Hansen, Tischlermeister und Sohn einer Handwerkerfamilie auf Fünen, eröffnete in der dänischen Inselhauptstadt eine kleine Möbelmanufaktur. Sein Ansatz war der eines ausgebildeten Handwerkers: Möbel aus soliden Materialien, präzise verbunden, für einen wachsenden Mittelstand, der sich Qualität leisten wollte, aber keine Aristokratenausstattung brauchte. Die frühen Jahrzehnte der Werkstatt blieben von dieser Haltung geprägt - handwerklich stabil, stilistisch dem damaligen dänischen Kunsthandwerk verpflichtet.

Die erste entscheidende Verschiebung kam in der zweiten Generation. Holger Hansen, Sohn des Gründers, übernahm die Werkstatt und erkannte frühzeitig, was den dänischen Möbelmarkt der Nachkriegsjahre antrieb: das Gespräch zwischen Tischler und Designer. Das Kopenhagener Möbelhandwerk der 1940er und 1950er Jahre war in Werkstätten organisiert, die engen Kontakt zu Architekten und Designern hielten. Die Kopenhagener Tischlerausstellungen, die jährlich in der Dänischen Kunstgewerbegesellschaft stattfanden, waren das Schaufenster dieser Zusammenarbeit. Holger Hansen begann, regelmäßig dort aufzutreten, und lernte 1949 Hans J. Wegner kennen.

Diese Begegnung war keine zufällige Messe-Bekanntschaft. Wegner suchte einen Hersteller, der seinen Entwürfen technisch gewachsen war, und Holger Hansen erkannte den Entwerfer als außergewöhnlichen Partner. Das Vertrauensverhältnis, das sich aus den ersten gemeinsamen Projekten entwickelte, wurde zur Grundlage einer exklusiven Lizenzvereinbarung, die Carl Hansen & Søn bis heute hält. Der CH25 Lounge Chair, Wegners erster Entwurf für das Haus, erschien 1950. Im gleichen Jahr begann die Produktion des CH24 Wishbone Chairs, der den Charakter der Marke für alle folgenden Jahrzehnte festlegen sollte.

Die dritte Generation brachte das Unternehmen durch die wirtschaftlich schwierigen Jahrzehnte der 1970er und 1980er, als günstiger importierter Massenmöbelmarkt den dänischen Fachhandel unter Druck setzte. Carl Hansen & Søn entschied sich gegen Kompromisse bei der Fertigungstiefe und investierte stattdessen in Maschinenparks, die die Handwerksqualität sicherten, ohne die Produktion ganz zu automatisieren. Der CH07 Shell Chair, den Wegner 1963 entworfen hatte und der zunächst keine größere Resonanz fand, wurde 1998 neu aufgelegt - und wurde zum Beleg, dass Klassiker zuweilen Zeit brauchen, bis die Welt für sie bereit ist.

Seit 2002 führt Knud Erik Hansen, Urenkel des Gründers, das Unternehmen als CEO. Er hat den Weg der Marke in zwei Richtungen ausgebaut: nach hinten, indem er bislang unveröffentlichte Wegner-Entwürfe aus dem Archiv in die Produktion brachte - darunter der CH88, der nach Wegners Tod 2007 über sieben Jahre Entwicklungszeit erhielt und erst 2014 erschien -, und nach vorne, indem er zeitgenössische Designer wie Naoto Fukasawa, Tadao Andō, EOOS und Ilse Crawford ins Programm holte. Die Marke blieb dabei in Familienbesitz. Kein Börsengang, keine Übernahme durch einen Konzern - eine bewusste Entscheidung, die Holger Hansens ursprüngliche Haltung der dritten und vierten Generation weitergibt.

Designphilosophie: Holz, das vom Designer zum Endkunden durchgängig dasselbe bleibt

Die Designphilosophie von Carl Hansen & Søn lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Was der Designer zeichnet, muss der Tischler bauen können, und was der Tischler baut, muss der Käufer in zwanzig Jahren noch genauso in der Hand halten. Diese Haltung klingt einfach, ist aber in der Praxis eine scharfe Einschränkung. Sie bedeutet, dass Entwürfe scheitern, wenn sie handwerklich nicht umsetzbar sind - und dass Hersteller scheitern, wenn sie Abkürzungen nehmen, die der Designer nicht akzeptiert hätte.

Für Wegner bedeutete das eine lebenslange Disziplin, die er selbst als ausgebildeter Tischler mitbrachte. Seine Entwürfe entstanden am Modellbautisch, nicht am Reißbrett. Er hobelte, sägte und prüfte jede Verbindung per Hand, bevor ein Entwurf in Serienproduktion ging. Die Y-Form des CH24 ist geometrisch simpel, aber handwerklich fordernd: Die Gabelung der Rückenlehne muss in einem einzigen Holzstück ohne Leim gearbeitet sein, die Krümmung präzise gleichmäßig über die ganze Länge des Bogens laufen. Eine Abweichung von einem Millimeter ist sichtbar.

Carl Hansen & Søn hält diese Fertigungstiefe aufrecht, indem die Produktion vollständig in Gelsted bleibt. Ausgebildete Tischler arbeiten an denselben Verbindungen, die Wegner 1949 entwickelt hat. Der Maschinenpark ist auf die Anforderungen des Programms zugeschnitten - kein Universalverfahren, sondern spezialisierte Werkzeuge, die exakt die Formen herstellen, die die Designer vorgegeben haben. Die Konsequenz: Carl Hansen & Søn produziert weniger Stücke pro Tag als ein industrieller Möbelhersteller vergleichbarer Größe - aber mit einer Konsistenz, die Repliken nicht erreichen können.

Wichtige Stücke im Überblick

CH24 Wishbone Chair (1949) - der Bestseller

Der CH24 ist nicht nur Carl Hansens meistverkauftes Möbelstück - er ist einer der meistverkauften Designerstühle der Welt. Wegner entwarf ihn 1949 als Hommage an die chinesischen Stühle der Ming-Dynastie, die er in dänischen Museumssammlungen studiert hatte. Die charakteristischste Eigenschaft ist die Y-förmige Rückenlehne, die die englische Bezeichnung Wishbone Chair begründete: Der gebogene Bogen, der sich von der Sitzoberfläche nach oben teilt und in zwei Rundbogen ausläuft, ist aus einem einzigen Holzstück gedämpft und gebogen. Die Verbindung zur Rückenlehne ist unsichtbar verstemmt - eine Technik, die Tischlerausbildung verlangt, die man sich nicht autodidaktisch aneignen kann.

Der Sitz des CH24 ist aus rund 120 Metern Papierkordel (dänisch: papirgarn) handgeflochten. Das Flechten dauert etwa eine Stunde und kann nicht mechanisiert werden - jede Reihe muss per Hand gespannt und unter die vorherige Reihe gefädelt werden. Insgesamt durchläuft ein CH24 rund 100 einzelne Arbeitsschritte über etwa drei Wochen. Jeder Stuhl trägt das Brandzeichen des Tischlers, der ihn zusammengebaut hat, und den Stempel der Marke unter dem Sitz.

Der CH24 ist in über vierzig Holz- und Farbvarianten erhältlich, darunter naturgeölte Buche, geölt oder geräuchert geölte Eiche, Nussbaum und Kirsche. Sonderlacke und zweifarbige Kombinationen kommen saisonweise hinzu. Mit über einer Million produzierten Exemplaren seit 1949 ist der Wishbone Chair das kontinuierlich in Serienfertigung produzierte Designmöbel mit der längsten Geschichte in dänischer Hand.

CH07 Shell Chair / Muschelstuhl (1963)

Der CH07, international als Shell Chair bekannt, ist Wegners unwahrscheinlichster Erfolg. 1963 entworfen, verkaufte er sich zunächst schlecht: Die organisch geformte Sitzschale aus natürlich gebogenen Holzlamellen, die sich wie eine Muschel um den Körper legt, war zu aufwendig für das damalige Preisniveau und zu ungewöhnlich für den Massenmarkt. 1998 holte Carl Hansen & Søn den Stuhl zurück in die Produktion - und traf damit einen Zeitgeist, der für Wegners skulpturale Seite bereit war. Heute ist der CH07 eines der teuersten Stücke im Programm (4.000 bis 6.000 Euro) und gilt als Inbegriff des späten dänischen Organismus. Die Schale kann mit verschiedenen Leder- und Textilpolstern kombiniert werden.

CH25 Lounge Chair (1950)

Der CH25 war der erste Wegner-Entwurf, den Carl Hansen & Søn in die Produktion brachte - ein Jahr vor dem CH24. Er ist tiefer, breiter und entspannter als der Wishbone Chair: ein Lounge-Sessel mit stark gebogenen Armlehnen, die aus massivem Holz geformt sind und ohne scharfe Kanten in den Sitz übergehen. Der geflochtene Sitz aus Papierkordel verbindet ihn stilistisch mit dem CH24, ohne dieselbe Formensprache zu wiederholen. Der CH25 ist ein Wohnzimmerstuhl, der gut aussieht, wenn er nicht besetzt ist - aber noch besser, wenn jemand darin sitzt.

CH28 Sawbuck Chair (1951)

Der CH28, bekannt als Sawbuck Chair, erschien 1951 und war ein technologisches Experiment in Wegners Schaffen: ein Stapelstuhl mit flacher Rückenlehne, der für Schulen und öffentliche Räume gedacht war. Die Sägebockform der Beine - zwei sich kreuzende Streben pro Seite - gibt ihm seinen englischen Namen. Der CH28 zeigt Wegner als pragmatischen Entwerfer, der nicht nur Einzelstücke für Sammler baute, sondern auch Serienware für den Alltag.

CH33 (1957)

Der CH33 ist Wegners Antwort auf den Esszimmerstuhl der Arbeiterfamilien: schlank, stapelbar, technisch auf flache Verpackung ausgelegt und trotzdem mit jener Sorgfalt an den Verbindungen ausgeführt, die Wegner von keinem seiner Entwürfe losließ. Er gehört zu den günstigeren Stücken im Carl Hansen Programm und zeigt, dass das Haus nicht ausschließlich für Sammler produziert.

CH20 Elbow Chair (1956)

Der CH20 ist eine Kuriosität in der Wegner-Bibliographie. 1956 entworfen, ging er erst 2005 in die Serienproduktion - fast fünfzig Jahre nach seiner Entstehung. Das liegt an der handwerklichen Komplexität: Die tief nach unten gezogenen Armlehnen, die dem Stuhl seinen Namen geben, verlangen in der Verbindung zur Sitzplatte eine Präzision, die lange Zeit nicht wirtschaftlich zu reproduzieren war. Erst mit modernisierten Fräsmaschinen und CNC-gestützter Vorfertigung war die Qualität zu halten. Der CH20 ist heute ein Beweis dafür, dass Wegners Archiv noch Entwürfe enthält, die auf ihre Stunde warten.

CH88 (2014)

Der CH88 ist formal das letzte Kapitel der Wegner-Geschichte bei Carl Hansen & Søn. Wegner entwarf ihn vor seinem Tod 2007, aber das Stück brauchte sieben Jahre Entwicklungszeit, bis es 2014 auf den Markt kam. Die Konstruktion - ein Freischwinger ohne hintere Beine, mit einem Stahlrahmen als Trägerkonstruktion und einer Holzschale als Sitz und Rücken - war technisch ambitionierter als viele frühere Entwürfe und verlangte neue Fertigungsverfahren. Der CH88 ist in Buche und Eiche erhältlich und liegt preislich zwischen 1.500 und 2.000 Euro.

CH327 Esstisch

Neben den Stühlen hat Carl Hansen & Søn eine Reihe von Wegner-Tischen im Programm. Der CH327 ist Wegners zentrale Esstisch-Lösung: eine massive Platte aus Eiche, Nussbaum oder Kirsche auf schlanken konischen Beinen, in Längen von 180 bis 300 Zentimetern. Er verbindet sich stilistisch mit allen Wegner-Stühlen, ohne sie zu dominieren - ein Tisch, der zeigt, dass Wegner weit mehr als nur Stühle entwarf.

N01 von Naoto Fukasawa (2019)

Naoto Fukasawas N01 ist das erste nicht-dänische Stück, das Carl Hansen & Søn in das Kernprogramm aufgenommen hat. Fukasawas Entwurf respektiert die Holzhandwerkstradition des Hauses, bringt aber eine japanische Auffassung von Präzision und Minimalismus ein: Die Verbindungen sind sichtbar, aber so sauber ausgeführt, dass sie dekorativ wirken. Der N01 ist ein Zeichen, dass das Haus nicht nur Archiv ist, sondern sich gezielt weiterentwickelt.

Dream Chair von Tadao Andō (2013)

Tadao Andō ist nicht Möbeldesigner - er ist Architekt, bekannt für Betonbauten in Japan und weltweit. Sein Dream Chair für Carl Hansen & Søn entstand 2013 aus einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit: Andō zeichnete einen Lounge-Sessel, der die Holzverarbeitung des Hauses mit seinem eigenen Gespür für klare Schnitte und schwere Materialien verbindet. Das Ergebnis ist ein breiter, tiefer Sessel mit Lederbezug und Ahorngestell, der weniger Wegner zitiert als ihn fortschreibt. Mit einem Preis von über 10.000 Euro ist er das teuerste reguläre Stück im Programm.

Hans J. Wegner und andere Designer

Hans Jørgensen Wegner wurde 1914 in Tønder, Süddänemark, geboren und wuchs als Sohn eines Schusters auf. Er absolvierte eine Tischlerlehre und studierte anschließend an der Kopenhagener Kunstgewerbeschule, wo er Kontakt zu den führenden Designern und Architekten des dänischen Funktionalismus bekam. Sein Markenzeichen war die Verbindung von Handwerk und Entwurf: Er arbeitete immer am Modell, immer mit echten Materialien, nie nur auf dem Papier. Bis zu seinem Tod 2007 entwarf er über 500 Möbelstücke - mehr als die meisten Designfirmen in ihrer gesamten Geschichte produzieren.

Die Zusammenarbeit mit Carl Hansen & Søn begann 1949 und war von Beginn an eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Holger Hansen und Wegner trafen sich regelmäßig in Gelsted, um Entwürfe zu prüfen, Verbindungen zu testen und Materialien zu vergleichen. Wegner hatte bei anderen Herstellern - darunter PP Møbler, für die er The Chair (PP503) entwarf, bekannt aus dem Kennedy-Nixon-Fernsehduell von 1960 - ähnliche Beziehungen, aber die Breite des Carl Hansen Programms ist das umfangreichste Einzelerbe eines Designers in der Geschichte des dänischen Möbeldesigns.

Børge Mogensen, Wegners Zeitgenosse und Freund, ist mit der BM-Serie im Programm vertreten. Mogensens Möbel sind gradliniger als Wegners - weniger Kurven, mehr rechte Winkel, ein schärferes Gespür für englische und amerikanische Shaker-Tradition. Der BM0488 und der FH4283 (ein Sofa) zeigen die andere Seite des dänischen Funktionalismus: klarer in der Geometrie, strenger in der Zurückhaltung.

Kaare Klint, der als Vater des dänischen Möbeldesigns gilt, ist mit dem Safari Chair und dem Faaborg Chair vertreten - beide Entwürfe aus den 1910er und 1930er Jahren, die Klints anthropometrische Entwurfsmethode demonstrieren. Klint maß den menschlichen Körper in Sitzhaltungen aus und leitete daraus Möbelmaße ab - eine Praxis, die das gesamte dänische Handwerk des zwanzigsten Jahrhunderts beeinflusste und ohne die Wegners spätere Arbeit schwer vorstellbar wäre.

Hans Bøllings Tierfiguren - kleine, stilisierte Holzobjekte, die zwischen Spielzeug und Skulptur stehen - ergänzen das Programm um ein verspieltes Kapitel. Bølling entwarf sie 1953 und schuf damit Objekte, die in jeder Generation neu entdeckt werden.

Ilse Crawford, die britische Designerin, die durch ihre Arbeit für Hotels und ihre Lehrtätigkeit an der Design Academy Eindhoven bekannt ist, entwarf für Carl Hansen & Søn Sideboards und Aufbewahrungsmöbel. Crawfords Ansatz - das Möbel als Gastgeber, nicht als Kunstobjekt - passt gut zur Werkstattphilosophie des Hauses. Die Zusammenarbeit mit EOOS, dem Wiener Designstudio, brachte weitere Stühle ins Programm, die zwischen Wegners Formensprache und zeitgenössischer österreichischer Designtradition vermitteln.

Material und Handwerk - was eine echte Wegner-Schraube ausmacht

Das Material-Grundprogramm von Carl Hansen & Søn ist überschaubar, aber präzise ausgewählt. FSC-zertifizierte Eiche aus europäischer Forstwirtschaft ist das Standard-Edelholz für die Premium-Varianten. Buche - heller, enger in der Maserung, günstiger in der Beschaffung - ist das Holz der Einstiegsvarianten und des meistgebauten CH24. Nussbaum, Kirsche und Ahornholz kommen für Sondermodelle und die zeitgenössischen Entwürfe wie den Dream Chair zum Einsatz. Teakholz, das in den 1950er und 1960er Jahren in vielen dänischen Möbeln Standard war, wird heute nur noch für historisch authentische Neuauflagen eingesetzt.

Die Papierkordel für den CH24 stammt von dänischen Spezialanbietern, die das Material nach denselben Spezifikationen wie 1949 herstellen: 16 Millimeter Durchmesser, gleichmäßig gedreht, aus ungebleichtem Papiergarn. Jede Abweichung in Durchmesser oder Drehung wäre beim Flechten spürbar und würde den Sitz ungleichmäßig machen. Der Einsatz von Leder als Sitzbezug - vor allem Sørensen-Leder aus Dänemark, eines der wenigen Häuser, die noch pflanzlich gegerbtes Vollnarbleder in kleinen Auflagen herstellen - betrifft vor allem die Lounge-Entwürfe wie den CH25 und den Dream Chair.

Die Stahlrahmen des CH88 und einiger CH20-Varianten werden in Dänemark gefertigt und pulverbeschichtet. Die Verbindungstechnik ist dieselbe wie bei Holzrahmen: keine versteckten Plastikdübel, keine Schnellmontagesysteme, sondern klassische Holzverbindungen und sichtbar verschraubte Metallkonstruktionen. Jede Verbindung lässt sich im Bedarfsfall vom Tischler lösen und neu justieren - eine Voraussetzung für die jahrzehntelange Haltbarkeit, die Carl Hansen & Søn verspricht.

Wo Carl Hansen Möbel ihren Raum finden

Carl Hansen & Søn-Möbel sind dann am stärksten, wenn sie in Räumen stehen, die ihnen Raum lassen. Drei Konfigurationen zeigen das besonders gut.

Das Esszimmer. Vier bis acht CH24 in Buche oder geräucherter Eiche um den CH327 Esstisch, eine Pendelleuchte - zum Beispiel von Louis Poulsen - mittig über der Platte. Das CH24-Ensemble ist die ikonischste Esszimmerkonfiguration des skandinavischen Designs, weil sie zeitlos und gleichzeitig lebendig ist: Kein Stuhl sieht exakt wie der andere aus, weil jedes Holzstück seine eigene Maserung hat. Die Papierkordel entwickelt über Jahre eine Patina, die dem Raum Tiefe gibt statt ihn alt aussehen zu lassen.

Die Lounge-Ecke. Zwei CH25 Lounge Chairs mit einem kleinen Beistelltisch, in einem Winkel von neunzig Grad zueinander, in einem Zimmer mit ausreichend Tageslicht. Der CH25 ist kein Sofa-Ersatz und kein Bibliothekssessel - er ist ein Gesprächsstuhl, der zwei Menschen in eine Position bringt, in der sie miteinander reden, ohne sich anstrengen zu müssen. Die weiche Linie der Armlehnen und der Papierkordelsitz ergänzen sich zu einer Entspannungseinladung, die schwer zu übertreffen ist.

Das Arbeitszimmer. Ein CH88 am Schreibtisch, kombiniert mit einem schlichten Tisch aus Massivholz. Der CH88-Freischwinger gibt beim Sitzen nach und kehrt in die Ausgangsposition zurück - eine Dynamik, die für konzentrierte Arbeit über mehrere Stunden besser geeignet ist, als ein starrer Stuhl vermuten lässt. Im Gegensatz zu einem Bürodrehstuhl sieht er aus, als gehöre er in ein Wohnzimmer, und hält damit die Grenze zwischen Büro und Zuhause durchlässig.

Alle drei Konfigurationen lassen sich über viele Jahre hinweg durch Nachkauf ergänzen - ein entscheidender Vorteil eines Hauses, das seine Modelle über Jahrzehnte unverändert im Programm hält. Wer heute vier CH24 kauft und in zehn Jahren zwei weitere braucht, findet dieselbe Ausführung im Regal.

Carl Hansen im Vergleich zu Fritz Hansen und Muuto

Wer zwischen Carl Hansen & Søn, Fritz Hansen und Muuto wählt, wählt zwischen drei klar unterschiedlichen Designphilosophien, die alle drei dänisch sind und alle drei im Premium-Segment liegen.

Carl Hansen & Søn ist das Holzhandwerk-Haus. Massives Holz, Naturmaterialien, handwerkliche Fertigungstiefe, ein Archiv, das mit Wegner beginnt und historische Tiefe bis in die 1930er Jahre zurückhat. Wer Carl Hansen kauft, kauft ein Versprechen auf Jahrzehnte - und akzeptiert, dass dieser Stuhl teurer ist als ein industriell gefertigter Mitbewerber.

Fritz Hansen arbeitet mit anderen Materialien. Arne Jacobsens Serie 7, Egg Chair und Swan Chair sind aus Formschaum, Formholz und Kunststoffschalen gefertigt - eine Ästhetik der Biomorphie, die in der dänischen Nachkriegsmoderne wurzelt, aber industrielle Fertigungsmethoden nutzt. Fritz Hansen ist heute eine Aktiengesellschaft, die ihr Programm breiter aufgestellt hat als Carl Hansen. Die Qualität ist vergleichbar, die Materialsprache grundlegend verschieden.

Muuto ist das jüngste der drei Häuser und richtet sich an ein zeitgenössisches Publikum, das skandinavisches Design nicht als Erbe versteht, sondern als lebendige Praxis. Muutos Preise liegen unter Carl Hansen, die Fertigungstiefe in Holz ebenfalls. Wer Muuto kauft, wählt Gegenwart. Wer Carl Hansen kauft, wählt Kontinuität - das Bewusstsein, ein Stück zu kaufen, das dieselbe Form hatte, als der Entwerfer noch lebte, und das dieselbe Form haben wird, wenn der Käufer es an die nächste Generation weitergeben möchte.

Pflege, Patina und Lebensdauer

Carl Hansen & Søn-Möbel sind so konstruiert, dass sie sich verbessern, wenn sie genutzt werden. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern eine Eigenschaft der verwendeten Materialien. Geölte Eichen- oder Buchenflächen entwickeln mit der Zeit eine Patina, die das Holz tiefer und gleichmäßiger macht. Papierkordel nimmt die Körperwärme auf und wird mit den Jahren fester und glatter. Leder, gut gepflegt, zeigt nach zehn Jahren eine Gebrauchsspur, die handwerklich gefertigtes Leder von industriellem unterscheidet.

Die Pflege des Papierkordelsitzes ist einfacher als oft angenommen. Im Alltag reicht eine weiche Bürste, um Staub und Krümel zwischen den Kordeln zu lösen. Wasser schadet der Kordel in kleinen Mengen nicht - ein feuchtes Tuch für Flecken ist problemlos. Bei starkem Verschleiß oder gerissenen Fäden kann der Sitz nachgeflochten werden: Carl Hansen & Søn unterhält in Europa ein Netzwerk autorisierter Werkstattpartner, die den Sitz im Original-Muster neu flechten. Die Kosten liegen je nach Region zwischen 200 und 350 Euro - erheblich weniger als ein neuer Stuhl.

Geölte Holzoberflächen brauchen einmal jährlich eine dünne Schicht natürlichem Möbelöl - kein Hartwachsöl, kein Schellack, kein Kunststofflack. Das Öl zieht ins Holz ein und bildet keine Oberflächenversiegelung, die brechen kann. Lackierte Varianten (klar oder farbig) benötigen nur ein weiches Tuch; direkte Sonne sollte vermieden werden, da sie Pigmente ausbleichen lässt. Wer seinen CH24 unter einem Südfenster stehen hat, legt am besten einen dünnen Vorhang dazwischen.

Lena Berger

Redakteurin und Innenarchitektin aus Hamburg. Schreibt seit 2014 über nordisches Design - früher für die deutsche Ausgabe von Wallpaper* und AD, heute für inwohn. Hat alle hier portraitierten Marken in Werkstätten und Studios in Kopenhagen, Helsinki und Oslo besucht, darunter die Carl Hansen & Søn Produktion in Gelsted.

Innenarchitektur HFG BDIA-Mitglied Seit 2014

Häufige Fragen zu Carl Hansen & Søn

Wer hat Carl Hansen & Søn gegründet?

Carl Hansen & Søn wurde 1908 in Odense, Dänemark, von Tischlermeister Carl Hansen gegründet. Seit 2002 führt Knud Erik Hansen, Urenkel des Gründers und Vertreter der vierten Generation, das Unternehmen als CEO. Die Firma befindet sich bis heute vollständig in Familienbesitz.

Wer war Hans J. Wegner?

Hans Jørgensen Wegner (1914-2007) war ein dänischer Tischler und Designer aus Tønder, der über 500 Möbelstücke entwarf und als einer der bedeutendsten Vertreter des dänischen Funktionalismus gilt. Er arbeitete ab 1949 eng mit Carl Hansen & Søn zusammen, die bis heute die umfangreichste Lizenz für seine Entwürfe halten. Wegner wurde besonders durch den Wishbone Chair CH24 und The Chair bekannt.

Wann wurde der Wishbone-Stuhl entworfen?

Hans J. Wegner entwarf den CH24, international bekannt als Wishbone Chair oder Y-Chair, im Jahr 1949. Die charakteristische Y-förmige Rückenlehne und der handgeflochtene Papierkordelsitz waren eine Hommage an chinesische Ming-Dynastiestühle, die Wegner in dänischen Museen studiert hatte. Seit der Erstproduktion wurden über eine Million Exemplare gebaut.

Wo wird der CH24 produziert?

Der CH24 Wishbone Chair wird vollständig in Gelsted bei Odense, Dänemark, in der Werkstatt von Carl Hansen & Søn hergestellt. Die Produktion liegt seit 1949 ohne Unterbrechung in dänischen Händen. Kein Teil der Fertigung wurde ins Ausland verlagert.

Was kostet ein original CH24 Wishbone Chair?

Ein original CH24 Wishbone Chair in Buchenholz kostet je nach Händler zwischen 700 und 900 Euro. Die Variante in geölter Eiche liegt bei 850 bis 1.100 Euro. Preise können je nach Sonderlack, Chromgestell oder Ledergeflecht höher ausfallen. Deutlich günstigere Angebote weisen auf Repliken hin.

Wie viele Schritte braucht die Herstellung eines CH24?

Die Herstellung eines einzelnen CH24 umfasst rund 100 einzelne Arbeitsschritte und dauert über drei Wochen. Allein das Flechten des Sitzes mit rund 120 Metern Papierkordel dauert eine Stunde und kann nur per Hand ausgeführt werden. Jeder Stuhl wird von einem einzelnen Tischler verantwortet und trägt dessen Stempel.

Was ist die Papierkordel beim CH24?

Der Sitz des CH24 wird aus Papierkordel (dänisch: papirgarn) handgeflochten - einem gedrehten Papierband mit einem Durchmesser von etwa 16 Millimetern. Pro Stuhl werden rund 120 Meter Kordel verarbeitet. Das Material stammt von dänischen Spezialanbietern und ist atmungsaktiv, widerstandsfähig und bei normaler Nutzung jahrzehntelang haltbar.

Wie pflegt man den Papierkordelsitz?

Den Papierkordelsitz mit einer weichen, leicht feuchten Bürste entstauben und gelegentlich mit einem trockenen Tuch abreiben. Keine scharfen Reinigungsmittel, kein Einweichen. Bei starker Abnutzung oder gerissenen Fäden bietet Carl Hansen & Søn über autorisierte Werkstattpartner einen Nachflechtservice an, der den Sitz auf Originalzustand zurückbringt.

Welche Garantie gibt Carl Hansen & Søn?

Carl Hansen & Søn gewährt standardmäßig zwei Jahre Garantie auf Materialfehler. Wer sein Möbel nach dem Kauf online registriert, erhält eine erweiterte Garantie von fünf Jahren auf konstruktive Mängel. Voraussetzung ist der Kauf bei einem autorisierten Händler.

Was unterscheidet ein original CH24 von einer Replik?

Das Original trägt den eingebrannten Markenstempel "Carl Hansen & Søn" unter dem Sitz sowie die eingestanzte Modellbezeichnung CH24. Die Papierkordel ist gleichmäßig gespannt und engmaschig geflochten, das Holz zeigt präzise, handgefeilte Verbindungen. Repliken fallen oft durch ungleichmäßige Flechtdichte, grobe Holzübergänge und fehlendes Brandzeichen auf.

Welche Holzarten gibt es beim CH24?

Der CH24 ist in Buche (natur geölt oder lackiert), Eiche (natur geölt oder geräuchert geölt), Nussbaum, Kirsche sowie in einer Reihe von Sonderlacken und -farben erhältlich. Buche ist die günstigste und am häufigsten verkaufte Variante, geräucherte Eiche die beliebteste Premium-Option.

Wo finde ich Carl Hansen Showrooms in Deutschland?

Carl Hansen & Søn ist in Deutschland im Stilwerk Berlin, Stilwerk Hamburg und Stilwerk München vertreten sowie in designaffinen Einrichtungshäusern in Düsseldorf. Eigene Showrooms unterhält die Marke in Kopenhagen und New York; in Deutschland arbeitet man mit autorisierten Fachhandelspartnern.

Was ist der Unterschied zwischen CH07 und CH24?

Der CH24 Wishbone Chair ist ein Esszimmerstuhl mit Y-Rückenlehne und Papierkordelsitz, entworfen 1949 für täglichen Gebrauch. Der CH07 Shell Chair, entworfen 1963, ist ein Lounge- und Beistellstuhl mit organisch geformter Sitzschale - opulent, skulptural, erheblich teurer (4.000 bis 6.000 Euro). Beide stammen von Wegner, verfolgen aber unterschiedliche Raumkonzepte.

Welche Stühle entwarf Wegner für andere Marken?

Wegner entwarf für mehrere dänische Hersteller. Der berühmteste außerhalb von Carl Hansen ist The Chair (PP503) bei PP Møbler, bekannt aus dem Kennedy-Nixon-Fernsehduell 1960. Die umfangreichste und exklusivste Kollektion liegt heute bei Carl Hansen & Søn, die die meisten Wegner-Lizenzen halten.

Wie unterscheidet sich Carl Hansen von Fritz Hansen?

Carl Hansen & Søn ist ein reines Holzhandwerk-Haus in Familienbesitz, das fast ausschließlich massives Holz und Naturmaterialien verarbeitet und auf Wegners Erbe aufbaut. Fritz Hansen ist eine Aktiengesellschaft, die mit Kunststoff, Metall und Formholz arbeitet und das Designerbe von Arne Jacobsen trägt. Beide sind dänisch und premium, aber materiell und stilistisch klar verschieden.


Weitere Marken-Portraits

Wer Carl Hansen & Søn gut findet, sieht meistens auch in diesen Häusern eine Linie: