Gubi ist die Marke, die Designgeschichte wie ein Antiquar liest und wie ein Verleger publiziert. Der Beetle Stuhl im Hotelfoyer, die Multi-Lite Pendelleuchte über einem Restauranttisch, der Pacha Lounge Chair in der Ecklesenische eines Stadtbüros - all das ist Kopenhagen, Familienunternehmen, drei Generationen, und der Beweis, dass die interessantesten Möbelideen manchmal 50 Jahre auf ihre zweite Chance gewartet haben.

Gubi auf einen Blick

Eine Marke, die das skandinavische Design wieder ausgegraben hat

Wer die Geschichte von Gubi erzählen will, muss mit einem Modegeschäft beginnen. Lisbeth und Gubi Olsen eröffneten 1967 in Hellerup - einem wohlhabenden Vorort nördlich von Kopenhagen - ein kleines Modelabel. Der Name des Ladens war einfach der Vorname des Mitgründers, ausgesprochen mit dem weichen, konsonantenverschluckenden Dänemarkton, der Gubi fast wie Gybi klingen lässt. Mode und Inneneinrichtung lagen in den 1960er Jahren in Dänemark oft näher beieinander als heute; viele Textilhändler führten nebenbei Stoffe, Kissen und Kleinmöbel.

Der eigentliche Schwenk zum Möbelhersteller vollzog sich in den 1990er Jahren, als die zweite Generation die Führung übernahm und erkannte, dass der Markt für Neuauflagen mittlerer Klassiker praktisch unbesetzt war. Die ganz großen Namen - Arne Jacobsen, Hans J. Wegner, Poul Henningsen - wurden längst von Fritz Hansen, Carl Hansen und Louis Poulsen produziert und verkauft. Aber es gab Hunderte von Entwürfen aus den 1940er bis 1970er Jahren, die nie die Aufmerksamkeit der Sammlerwelt bekommen hatten, dennoch konzeptuell stark waren und damals in keinem regulären Handel mehr verfügbar waren. Gubi entschied sich, genau diese Stücke aufzuspüren.

Das Modell war klug gewählt: Gubi musste keinen Designer aus dem Nichts aufbauen. Stattdessen wurden Archivrecherchen betrieben, Kontakt zu Designerfamilien und Nachlässen hergestellt, Lizenzen verhandelt, und dann die Originale mit modernen Produktionstechniken, aber exakter Formtreue neu aufgelegt. Die erste große Re-Edition war die Bestlite BL1, entworfen vom britischen Designer Robert Dudley Best in den frühen 1930er Jahren - eine sachliche Schreibtischleuchte mit verstellbarem Arm, die Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs auf seinem Schreibtisch in Nummer 10 Downing Street stehen hatte. Gubi begann 2003 mit der Neuauflage und setzte damit den Ton für alles, was folgte.

Heute führt Sebastian Holmbäck das Unternehmen in der dritten Generation. Unter seiner Leitung hat Gubi das Kuratierungsmodell verfeinert und um zeitgenössische Eigenentwicklungen ergänzt. Die Marke ist in über 60 Ländern vertreten und hat in den letzten fünfzehn Jahren ein Portfolio aufgebaut, das von der Gastronomiebestuhlung bis zum Luxusleuchtensegment reicht. Was konstant blieb, ist die Haltung: Gubi kauft und produziert keine Volumen-Möbel. Jedes Stück soll eine Geschichte haben, die über den Kaufmoment hinausgeht.

Der Markenkern lässt sich in einem Satz formulieren, den man im Unternehmen gelegentlich hört: Wir schaffen keine neuen Trends, wir stellen sicher, dass die richtigen Entwürfe nicht verloren gehen. Das klingt bescheiden für eine Marke, die zu den begehrtesten im Segment gehört - aber es beschreibt die kuratorische Haltung, die Gubi von rein zeitgenössischen Häusern wie Muuto oder Hay klar unterscheidet.

Designphilosophie: Re-Editionen mit Kuratoren-Blick

Das Wort Re-Edition wird im Möbelbereich oft inflationär verwendet. Gubi legt besonderen Wert darauf, den Begriff zu definieren. Eine Re-Edition bei Gubi beginnt immer mit der Originalzeichnung oder dem Originalmuster - ein Archivstück, ein Nachlass, eine Museumskooperation. Die Formmaße werden vermessen oder aus Originalunterlagen rekonstruiert, Materialien recherchiert, und die Lizenz wird mit dem Designernachlass oder den Rechteinhabern verhandelt. Erst dann beginnt die Produktion.

Der Unterschied zu einer Replik liegt genau hier: Eine Replik kopiert die Oberfläche eines Möbels, ohne Lizenz und ohne die konzeptuelle Arbeit dahinter. Eine Gubi-Re-Edition ist die autorisierte Weiterführung des Originalentwurfs - ein Unterschied, der sich in Qualität, Preisgestaltung und Integrität niederschlägt. Kunden, die ein Gubi-Stück kaufen, erwerben nicht nur einen Stuhl, sondern den Nachweis, dass der ursprüngliche Entwerfer oder dessen Erben das Produkt anerkannt haben.

Gleichzeitig hat Gubi in den vergangenen fünfzehn Jahren zunehmend eigene zeitgenössische Designs in Auftrag gegeben. Der Beetle Chair von GamFratesi war 2013 der erste große Eigenentwurf, der zu einem Bestseller wurde. Seither entstehen neue Stücke in Kooperation mit Studios wie Space Copenhagen, OEO Studio, BIG-Game und Komplot - immer eingebettet in die Materialwelt von Leder, Messing und Eiche, die Gubi-Stücken einen gemeinsamen visuellen Tonfall gibt.

Wichtige Kollektionen und Produkte

Beetle Chair (2013, GamFratesi)

Der Beetle Chair ist Gubis kommerziell wichtigstes Stück der letzten Dekade. Stine Gam und Enrico Fratesi vom Kopenhagener Studio GamFratesi entwarfen ihn 2013 mit einer Rückenschale, deren geschwungene Form an den Panzer eines Käfers erinnert - daher der Name. Die Schale sitzt auf einem Vier-Bein-Gestell aus lackiertem oder verchromtem Stahl, alternativ in Messingoptik oder poliertem Aluminium. Bezugsstoffe reichen von Wollgewebe über Velours bis zu Vollnarbenleder.

Der Beetle ist kein Stuhl, der sich wegduckt. Die Rückenschale hat genug Präsenz, um einen Raum zu strukturieren - weshalb er häufig in Restaurant-Interieurs und Hotellobbyumgebungen eingesetzt wird, wo ein Einzelstuhl eine gestalterische Aussage treffen muss. Im Wohnbereich funktioniert er besonders stark an einem Esstisch aus geräucherter Eiche, wo die organische Schalenform mit der Holzmaserung korrespondiert. Preis: 500 bis 900 Euro je nach Variante.

Multi-Lite Pendelleuchte (1972/2014, Louis Weisdorf)

Louis Weisdorf entwarf die Multi-Lite 1972 - eine Pendelleuchte aus zwei drehbaren Halbkugeln, die unabhängig voneinander geschwenkt werden können. Je nach Stellung der Halbkugeln wird das Licht nach unten gerichtet, nach oben reflektiert oder seitlich in den Raum gestreut. Weisdorf hatte damit ein Leuchtenkonzept entworfen, das in den 1970er Jahren technisch radikal und formal präzise war - und das trotzdem nur begrenzt verbreitet wurde.

Gubi entdeckte den Entwurf im Archiv und brachte die Multi-Lite 2014 als Re-Edition auf den Markt. Die aktuelle Version ist materialgetreu zur Originalausführung in mattem Kupfer, Messing, Schwarz und Weiß erhältlich. Der Halbkugelmechanismus funktioniert weicher als das Original, da Gubi die Lagerung modernisiert hat. Über einem Esstisch aufgehängt, ist die Multi-Lite eine der wenigen Leuchten, die man täglich neu einstellt und dabei jedes Mal einen anderen Lichtraum erzeugt. Preis: 900 bis 1.500 Euro.

Pacha Lounge Chair (1975/2018, Pierre Paulin)

Pierre Paulin war der bedeutendste französische Möbeldesigner der 1960er und 1970er Jahre. Seine Stühle für Artifort - Ribbon Chair, Tongue Chair, F598 - sind heute Museumsklassiker. Der Pacha Lounge Chair von 1975 ist weniger bekannt, aber konzeptuell ebenso stark: ein komplett bodennah konstruierter Sessel ohne Beine, der auf einem niedrigen Sockel sitzt und den Körper weich und vollständig umschließt.

Gubi brachte den Pacha 2018 als Re-Edition, lizenziert vom Pierre Paulin Estate, auf den Markt. Die Vollpolsterung wird in Stoff oder Leder angeboten, der Sockel in Eichenholz. Der Pacha ist kein Alltagssessel, sondern ein Raumelement - er setzt voraus, dass um ihn herum Platz ist, und belohnt diesen Platz mit einer Präsenz, die kein aufgeständerter Sessel leisten kann. In Loungebereichen, Hotelzimmern und großzügigen Wohnräumen zeigt er, was Paulin meinte, als er über den menschlichen Körper als Ausgangspunkt jeder Formentscheidung sprach. Preis: 2.000 bis 3.500 Euro.

Bestlite BL1 bis BL9 (1930er/ab 2003, Robert Dudley Best)

Robert Dudley Best entwarf die erste Bestlite in den frühen 1930er Jahren in London - eine Arbeitsleuchte mit verstellbarem Gelenk und konischer Schirmform, die Bauhaus-Gedanken mit britischer Ingenieursästhetik verband. Die BL1 wurde schnell von Büros und Werkstätten übernommen und soll in einem Foto aus dem Zweiten Weltkrieg auf Winston Churchills Schreibtisch zu sehen gewesen sein.

Gubi begann 2003 mit der Re-Edition und hat die Bestlite-Familie seither auf neun Varianten erweitert - Tischleuchten, Wandleuchten, Pendelleuchten, Stehleuchten. Alle teilen den charakteristischen Schirm und das schwarze, weiße oder messingfarbene Finish. Die Bestlite war Gubis erste große Re-Edition und hat die Methode des Hauses definiert: ein vergessener Entwurf, eine sorgfältige Lizenzierung, eine materialgetreue Neuproduktion.

9602 Stehleuchte (1958, Paavo Tynell)

Paavo Tynell war in Finnland das, was Poul Henningsen in Dänemark war: ein Leuchtenentwerfer von außergewöhnlicher Konsequenz. Seine 9602 Stehleuchte von 1958 kombiniert einen schlanken Messingschaft mit einem trichterförmigen Schirm, der das Licht nach unten und seitlich streut. Die feine Perforierung des Metalls erzeugt beim Einschalten ein Schattenbild aus kleinen Lichtpunkten an der Wand.

Gubi hat die 9602 als Re-Edition aus dem finnischen Designarchiv geholt und produziert sie in den Originalmaterialien Messing und Stahl. In einem dunklen Lesezimmer oder neben einem Sessel positioniert, entfaltet sie eine Stimmungstiefe, die moderne LED-Stehleuchten selten erreichen.

Adnet Circular Mirror (1950er, Jacques Adnet)

Jacques Adnet war ein französischer Raumausstatter, der in den 1940er und 1950er Jahren für seine Kombination aus Leder und Metall bekannt war. Sein kreisrunder Spiegel, umrahmt von einem handgenähten Lederband, das in regelmäßigen Abständen mit Messingnieten befestigt ist, ist das archetypische Beispiel für diesen Stil. Gubi hat den Adnet Mirror als Re-Edition ins Programm genommen und bietet ihn in mehreren Durchmessern und in Schwarz- oder Cognac-Leder an. Als Badezimmerspiegel oder Eingangsbereichsspiegel ist er eines der am leichtesten einsetzbaren Stücke im Gubi-Programm.

Mategot Trolley (Mathieu Matégot)

Mathieu Matégot, geboren in Ungarn und tätig in Frankreich, entwarf in den 1950er Jahren Möbel aus perforiertem Stahl - ein Material, das damals als industriell galt und das er in elegante Haushaltsobjekte übersetzte. Der Mategot Trolley ist ein dreirädriger Servierwagen aus lackiertem, perforiertem Stahl, der in der Küche oder im Wohnzimmer eingesetzt werden kann. Gubi produziert ihn als Re-Edition in Schwarz und Weiß. Der Trolley ist zugleich Sammlerstück und Gebrauchsmöbel - ein Verhältnis, das Gubi für typisch hält.

Die Designer hinter Gubi

Gubis Designer-Programm hat zwei Lager: die historischen Urheber der Re-Editionen und die zeitgenössischen Studios, die heute neue Stücke für das Haus entwerfen. Beide Lager sind untrennbar miteinander verbunden, weil Gubi seine zeitgenössischen Designer immer im Kontext der Re-Editionen auswählt - sie müssen zur Materialwelt des Hauses passen.

GamFratesi - Stine Gam und Enrico Fratesi - sind das wichtigste zeitgenössische Studio in Gubis Programm. Das Kopenhagener Studio, das Gam und Fratesi 2006 nach dem Abschluss an der Dänischen Königlichen Kunstakademie gründeten, verbindet nordische Reduktion mit einer fließenden, fast skulpturalen Formsprache, die Fratesis italienisches Erbe widerspiegelt. Der Beetle Chair war ihr Durchbruch, gefolgt vom Bat Dining Chair und dem Bat Lounge Chair. GamFratesi entwirft auch für Georg Jensen, Ikea und Fendi Casa.

Pierre Paulin (1927 bis 2009) steht stellvertretend für die Kategorie der Re-Editions-Designer. Seine Entwürfe für Artifort in den 1960er und 1970er Jahren waren zu ihrer Zeit revolutionär - tief sitzende, körperumschließende Formen aus Schaumstoff, überzogen mit Stretch-Textil. Gubis Wiederentdeckung des Pacha Lounge Chair hat Paulin einem neuen Publikum zugänglich gemacht.

Louis Weisdorf (1927 bis 2017) war ein dänischer Industriedesigner und Möbelentwerfer, der vor allem für Lyfa Leuchten arbeitete. Seine Multi-Lite von 1972 war eine von vielen klugen Leuchtenideen aus seinem Büro - und eine der wenigen, die die Zeit wert war, sie zurückzubringen.

Mathieu Matégot (1910 bis 2001) arbeitete in Paris und entwickelte eine eigene Sprache aus industriellen Materialien wie perforiertem Stahl und Rohrglas. Seine Möbel werden heute auf Auktionen für fünfstellige Beträge versteigert. Gubis Re-Edition des Mategot Trolley ist die zugänglichste Möglichkeit, sein Werk im Alltag zu nutzen.

Greta Magnusson Grossman (1906 bis 1999) war eine schwedisch-amerikanische Designerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Los Angeles arbeitete. Ihr Modern Line Sofa von 1949 - niedrig, flach, mit schmalen Eichenbeinen und einer langen, einladenden Silhouette - nimmt Mid-Century-Ästhetik vorweg, die Hollywood in den 1950er Jahren perfektionierte. Gubi hat das Modern Line Sofa als Re-Edition ins Programm genommen.

Space Copenhagen und OEO Studio sind zwei der zeitgenössischen dänischen Studios, die Gubi für neue Produktlinien beauftragt. Space Copenhagen, gegründet von Signe Bindslev Henriksen und Peter Bundgaard Rützou, haben unter anderem Restaurantinterieurs für Noma und Geranium entworfen und liefern Gubi eine Formensprache, die zwischen Luxusrestaurant und Privatwohnung wechselt. BIG-Game aus Lausanne und Komplot aus Kopenhagen runden das zeitgenössische Roster ab.

Materialien, Handwerk und Produktion

Gubi hat einen klar definierten Materialkanon, der sich durch das gesamte Programm zieht und dem Haus seinen unverwechselbaren haptischen Charakter gibt. Wer Gubi-Stücke anfasst, erkennt sie oft, bevor er das Label sieht.

Velours und Samtgewebe sind das Material, das Gubi am stärksten von anderen skandinavischen Marken unterscheidet. Samtbezüge schlucken Licht, erzeugen eine Farbtiefe, die auf Fotos nur schwer reproduzierbar ist, und vermitteln eine physische Weichheit, die in Nordeuropa sonst kaum in Möbeln eingesetzt wird. Gubi arbeitet mit europäischen Velours-Webereien und bietet den Beetle Chair, den Bat Chair und den Pacha Sessel in über zwanzig Samtfarben an.

Gebürstetes und vergoldetes Messing ist das zweite prägende Material. Messinggestelle altern, entwickeln eine Patina und gewinnen mit der Zeit an Charakter. Gubi sieht das nicht als Nachteil, sondern als Qualitätsmerkmal - ein Möbel, das schöner wird, wenn es benutzt wird, ist ein besseres Möbel als eines, das nach einem Jahr schäbig aussieht.

Geräucherte Eiche wird für Tischplatten, Stuhlbeine und Regale verwendet. Der Räucherprozess vertieft die Maserung und verleiht dem Holz einen warm-dunklen Ton, der mit Messing und Samt harmoniert. Gubi bezieht geräucherte Eiche aus nachhaltiger europäischer Forstwirtschaft.

Pulverbeschichteter Stahl wird für leichtere Strukturen verwendet, etwa bei Tischgestellen und dem Mategot Trolley. Die Pulverbeschichtung ist robuster als Nasslack und erlaubt die für Gubi typischen satten, gleichmäßigen Farbtöne ohne Glanz.

Marmor erscheint als Tischplatten-Material in ausgewählten Dining-Tischen. Gubi verwendet weißen Carrara-Marmor und grünen Marmor aus Portugal, immer in handgeschliffener Ausführung, die die natürliche Aderstruktur zeigt.

Wo Gubi im Raum wirkt

Gubi-Stücke sind dann am stärksten, wenn sie nicht als Sammlung, sondern als kuratorische Setzung eingesetzt werden. Drei oder vier Gubi-Stücke im gleichen Raum ergeben kein überwältigendes Statement, sondern eine konsistente Atmosphäre, die ohne viel Dekoration auskommt.

Empfangsbereich und Eingang. Ein Adnet Circular Mirror an der Eingangswand, ein Mategot Trolley als Ablagefläche, zwei Beetle Chairs entlang einer Wand - das ist eine Eingangs- oder Empfangssituation, die sofort erkennen lässt, dass hier jemand Designgeschichte kennt und liebt. Besonders in Büroempfangsbereichen und Boutique-Hotels wird Gubi aus diesem Grund häufig eingesetzt.

Lounge und Wohnbereich. Der Pacha Lounge Chair als bodennah sitzendes Hauptmöbel, flankiert von der 9602 Stehleuchte von Paavo Tynell, davor ein niedriger Beistelltisch mit Marmorplatte - dieser Dreiklang erzeugt einen Loungewinkel, der wie eine Rauminstallation arbeitet. Die tiefen Samtfarben des Pacha und das warme Messinglicht der Stehleuchte ergänzen sich, als wären sie füreinander entworfen worden.

Esszimmer. Ein Esstisch aus geräucherter Eiche, sechs Beetle Chairs in zwei Velours-Farbtönen, eine Multi-Lite Pendelleuchte über Tischmitte - das ist die kanonische Gubi-Esszimmerkonfiguration. Wer sie in einem Raum mit geweißten Wänden und wenig Dekoration aufstellt, stellt fest, dass die Stücke allein genug sind.

Gubi im Vergleich zu Muuto, Fritz Hansen und &Tradition

Die dänische Designlandschaft ist eng, und die großen Häuser kennen ihre Profile gut. Gubi positioniert sich in dieser Landschaft anders als die Konkurrenten, und das Profil ist schärfer, als es auf den ersten Blick scheint.

Muuto fragt immer: Was wäre der nächste Schritt für skandinavisches Design? Wie wir im Muuto-Portrait beschrieben haben, arbeitet das Haus ausschließlich mit zeitgenössischen Designern und entwickelt neue Stücke ohne Blick auf die Designgeschichte als Vorlage. Gubi macht das Gegenteil: Es fragt, welche Entwürfe der Vergangenheit so gut sind, dass sie es verdienen, weitergebaut zu werden. Beide Haltungen sind legitim, aber sie führen zu sehr unterschiedlichen Produktprogrammen.

Fritz Hansen besitzt die wichtigsten dänischen Midcentury-Klassiker - Arne Jacobsens Serie 7, Egg, Swan, den PK22 von Poul Kjærholm. Fritz Hansen arbeitet im Kern als Hüter dieser Klassiker und ergänzt sie mit zeitgenössischen Designs. Das Modell ist dem von Gubi ähnlich, aber die Ausgangsmasse sind viel prominenter - niemand muss Fritz Hansen erklären, wer Arne Jacobsen war.

&Tradition ist Gubis unmittelbarster Wettbewerber. Beide setzen auf Re-Editionen und zeitgenössische Designs, beide sind in Kopenhagen, beide arbeiten mit Velours und Messing. Der Unterschied liegt in der Designauswahl: &Tradition fokussiert stärker auf dänische und finnische Klassiker, Gubi hat eine breitere europäische Perspektive, die auch französische und britische Entwürfe einschließt.

Pflege und Langlebigkeit

Gubi-Stücke sind so konstruiert, dass sie die Generation ihres Käufers überleben. Die Materialien - Leder, Velours, Messing, Eiche - altern gut, wenn sie richtig behandelt werden.

Lederpflege. Vollnarbenleder, wie es beim Beetle Chair und dem Pacha Sessel optional erhältlich ist, benötigt alle drei bis vier Monate eine Pflege mit einem farblosen Lederpflegemittel. Frische Flecken sofort mit einem leicht feuchten Tuch abtupfen, nicht reiben. Leder darf nicht in direkter Sonneneinstrahlung stehen, da es sonst austrocknet und rissig wird. Gubi empfiehlt für seine Lederstücke die Pflege mit hochwertigen Produkten wie Collonil oder Saddle Soap.

Velours und Samtpflege. Samtbezüge mit einer weichen Veloursbürste in Faserrichtung bürsten, um die Florfasern aufzurichten. Druckstellen, die durch Anlehnen entstehen, lassen sich mit einem Dampfbügeleisen in minimalem Abstand aufdampfen - der Dampf richtet den Flor auf, ohne das Gewebe zu schädigen.

Messing-Patina. Gebürstetes Messing entwickelt über die Zeit eine Patina, die Gubi als erwünschtes Merkmal betrachtet. Wer den Ursprungszustand erhalten möchte, reinigt mit einem weichen Tuch und gelegentlich mit einem milden Messingreiniger. Nicht empfohlen sind aggressive Scheuermittel oder säurehaltige Reiniger.

Re-Polsterung. Die Bezüge der großen Polstermöbel - Pacha, Beetle, Bat - können von einem Sattler oder Polsterer ausgetauscht werden. Gubi bietet über Partnerhändler Ersatzstoffe in den Originalfarben an. Ein fachgerecht neu bezogenes Gubi-Stück ist nach der Re-Polsterung wie neu - und hat gleichzeitig die Konstruktionsbewährung der ersten Generation hinter sich.

Lena Berger

Redakteurin und Innenarchitektin aus Hamburg. Schreibt seit 2014 über nordisches Design - früher für die deutsche Ausgabe von Wallpaper* und AD, heute für inwohn. Hat alle hier portraitierten Marken in Werkstätten und Studios in Kopenhagen, Helsinki und Oslo besucht.

Innenarchitektur HFG BDIA-Mitglied Seit 2014

Häufige Fragen zu Gubi

Wer hat Gubi gegründet?

Gubi wurde 1967 in Hellerup bei Kopenhagen von Lisbeth und Gubi Olsen gegründet. Das Unternehmen begann als Modelabel und wandelte sich in den 1990er Jahren schrittweise zum Möbel- und Leuchtenhersteller. Heute führt Sebastian Holmbäck das Familienunternehmen in dritter Generation.

Wo wird Gubi produziert?

Gubi lässt seine Möbel und Leuchten überwiegend in Europa fertigen. Polstermöbel entstehen in dänischen und polnischen Werkstätten, Metallgestelle kommen aus Dänemark und Deutschland, die Bestlite-Leuchten werden nach britischen Originalspezifikationen gefertigt. Re-Editionen werden so produziert, dass die originalen Materialstandards eingehalten werden.

Was ist der bekannteste Gubi-Stuhl?

Der Beetle Chair, 2013 von GamFratesi entworfen, ist Gubis meistverkauftes Möbelstück. Die geschwungene Rückenschale, die an einen Käferpanzer erinnert, gibt dem Stuhl seinen Namen. Er wird in Stoff, Velours, Leder und Kunstleder angeboten und ist in Gastronomieprojekten und Büros weltweit präsent.

Was ist eine Re-Edition bei Gubi?

Eine Re-Edition bei Gubi ist keine Replik, sondern eine lizenzierte Neuauflage in enger Zusammenarbeit mit den Originaldesignern oder deren Nachlässen. Gubi recherchiert die Originalpläne, stimmt Materialien und Maße ab und produziert das Stück mit zeitgemäßer Fertigung, aber historischer Formtreue. Der Unterschied zur Replik liegt im Lizenzvertrag und der Nähe zum Originalentwurf.

Wer sind GamFratesi?

GamFratesi ist ein Kopenhagener Designstudio, gegründet von der Dänin Stine Gam und dem Italiener Enrico Fratesi. Beide haben am Royal Danish Academy of Fine Arts studiert. Ihr Stil verbindet nordische Materialdisziplin mit einer weichen, skulpturalen Formsprache. Neben dem Beetle Chair für Gubi entwerfen sie für Ikea, Georg Jensen und Fendi Casa.

Wie unterscheidet sich Gubi von Muuto?

Gubi konzentriert sich auf kuratierte Re-Editionen vergessener Midcentury-Klassiker und ergänzt diese mit zeitgenössischen Designs. Muuto entwickelt ausschließlich neue Stücke mit zeitgenössischen Designern. Gubi arbeitet mit teureren Materialien wie Messing und Velours und hat einen höheren Durchschnittspreis. Wer historische Designkultur schätzt, kauft bei Gubi; wer Gegenwart will, bei Muuto.

Was kostet ein Beetle Stuhl?

Der Beetle Chair kostet im deutschen Fachhandel je nach Bezug und Gestellvariante zwischen 500 und 900 Euro. Die Vollpolster-Variante mit Samtbezug und Messinggestell liegt am oberen Ende, die einfache Ausführung mit Metallgestell und Stoffbezug am unteren. Preise variieren je nach Händler und Saison-Edition.

Gibt es Gubi-Showrooms in Deutschland?

Gubi betreibt keinen eigenen deutschen Flagship-Store, ist aber über Fachhandelspartner in ganz Deutschland präsent. In Berlin zeigt der Showroom Steidten+ in Charlottenburg eine breite Kollektion. Weitere Partnerhändler finden sich in München, Düsseldorf und Hamburg. Eine Händlersuche ist über die Gubi-Website möglich.

Ist die Multi-Lite-Pendel eine Original-Neuauflage oder eine Replik?

Die Multi-Lite Pendelleuchte ist eine lizenzierte Re-Edition. Louis Weisdorf entwarf die Leuchte 1972, und Gubi brachte sie 2014 in enger Abstimmung mit dem Designerarchiv wieder in Produktion. Alle Maße und Materialverhältnisse entsprechen dem Original. Es handelt sich nicht um eine Replik, sondern um die autorisierte Weiterführung des Originals.

Welche Materialien verwendet Gubi am häufigsten?

Gubi arbeitet mit einem klar definierten Materialkanon: Velours und Leder für Polster, geräucherte und naturgeölte Eiche für Holzelemente, gebürstetes und vergoldetes Messing für Gestelle und Leuchten, pulverbeschichteter Stahl für leichtere Rahmen sowie Marmor für Tischplatten. Die Materialwahl verleiht Gubi-Stücken eine sinnliche Dichte, die günstiger produzierte Möbel nicht erreichen.

Welche Gubi-Stücke eignen sich fürs Esszimmer?

Für das Esszimmer empfehlen sich der Beetle Chair als Hauptstuhl, der Bat Dining Chair von GamFratesi als leichtere Alternative, ein Esstisch mit Marmorplatte sowie die Multi-Lite Pendelleuchte über dem Tisch. Alle Stücke harmonieren durch Gubis konsistente Materialwelt aus Messing, Eiche und Velours.

Wie pflegt man Gubi-Lederstühle?

Gubi-Lederstühle sollten alle drei bis vier Monate mit einem farblosen Lederpflegemittel behandelt werden. Flecken sofort mit einem leicht feuchten Tuch abtupfen, nicht reiben. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden, da Leder sonst austrocknet und rissig wird. Bei Veloursbezügen reicht eine regelmäßige Bürstenreinigung mit einer Veloursbürste in Faserrichtung.

Welche Garantie gibt Gubi auf Möbel?

Gubi gewährt zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung auf alle Möbel und Leuchten gemäß EU-Verbraucherrecht. Für gewerbliche Käufer gelten kürzere Fristen. Strukturelle Mängel, die auf Fertigungsfehler zurückzuführen sind, werden in der Regel auch nach Ablauf der gesetzlichen Frist kulant behandelt, wenn der Händlerkauf belegt werden kann.

Bietet Gubi Outdoor-Möbel an?

Ja, Gubi hat eine wachsende Outdoor-Kollektion. Mehrere Lounge-Stühle und Tische sind in wetterbeständigen Varianten aus pulverbeschichtetem Aluminium erhältlich. Die Outdoor-Polster bestehen aus UV-stabilisiertem, schnelltrocknenden Gewebe. Die Kollektion ist kleiner als das Indoor-Programm, aber stimmig gestaltet.

Welche Farben sind die typischen Gubi-Töne?

Gubis Palette verbindet erdige Neutraltöne mit satten Akzentfarben: Nachtblau, tiefes Weinrot, Olivgrün, warmes Kaschmir-Beige, Schwarz und natürliches Messing-Gold. Veloursbezüge erscheinen in tiefen Farbtönen besonders wirkungsvoll - Gubi nutzt dies bewusst, um Polster optisch schwerer und wertiger wirken zu lassen.


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