Fritz Hansen ist die Marke, die man kennt, bevor man ihren Namen kennt. Der Stuhl mit der geschwungenen Schichtholzschale im Konferenzraum, der eiförmige Sessel im Hotellounge, der schmale Schmetterlingsstuhl in der Empfangshalle - alles Fritz Hansen, alles Arne Jacobsen, alles aus einem kleinen Ort namens Allerød nördlich von Kopenhagen. Seit 1872 produziert dieses Haus Möbel, die nach Jahrzehnten noch in Produktion sind und nach Generationen noch an Esstischen stehen. Das ist seltener, als man denkt.
Fritz Hansen auf einen Blick
- Gegründet: 1872 in Kopenhagen von Fritz Hansen Senior (Tischler).
- Heutiger Sitz: Allerød, nördlich von Kopenhagen (Dänemark).
- Gründer: Fritz Hansen Senior.
- Arne-Jacobsen-Partnerschaft: ab 1934, Höhepunkt 1952 bis 1958.
- Ikonen: Ant Chair 3100 (1952), Serie 7 / 3107 (1955), Grand Prix 3130 (1957), Egg Chair (1958), Swan Chair (1958).
- Meistverkaufter Stuhl: Serie 7 - über 7 Millionen Exemplare weltweit.
- Eigentümer seit 1979: Skandinavisk Holding (Carlsberg-Familienholding).
150 Jahre und mehr: vom Tischler zur Designikone
Als Fritz Hansen Senior 1872 seine Schreinerwerkstatt in Kopenhagen eröffnete, war das ein unspektakulärer Schritt. Dänische Tischler gab es viele, Möbelwerkstätten in der dänischen Hauptstadt noch mehr. Was das Unternehmen von Beginn an unterschied, war eine Bereitschaft, in Maschinentechnik zu investieren, wo andere Handwerk beibehielten. Fritz Hansen Senior erkannte früh, dass industrielle Fertigung und gestalterische Qualität kein Widerspruch sein müssen - eine Überzeugung, die das Haus bis heute trägt.
Um die Jahrhundertwende begann Fritz Hansen mit der Herstellung von gebogenem Holz. Das Dampfbiegeverfahren, das zuvor vor allem in der Stuhlproduktion von Thonet eingesetzt wurde, ermöglichte organische Formen ohne schwächende Verbindungen. Fritz Hansen baute diese Kompetenz weiter aus und wurde in den 1920er Jahren zum führenden dänischen Hersteller für Schichtholzkonstruktionen. Diese technische Spezialisierung war keine modische Entscheidung - sie war die Grundlage, auf der Jahrzehnte später Arne Jacobsens Entwürfe überhaupt erst möglich wurden.
Der entscheidende Schritt kam 1934, als Arne Jacobsen - damals noch ein aufstrebender Architekt, der gerade sein erstes großes Wohnbauprojekt in Kopenhagen abgeschlossen hatte - begann, mit Fritz Hansen zusammenzuarbeiten. Jacobsen brachte etwas mit, das die Werkstatt brauchte: eine architektonische Strenge im Umgang mit Form, gepaart mit einem Willen zur Materialdisziplin. Fritz Hansen brachte das Gegenstück: die industrielle Präzision, mit der Jacobsens Entwürfe in Serie gebracht werden konnten.
Während des Zweiten Weltkriegs verlangsamte sich die Entwicklung, aber in den 1950er Jahren explodierte die Zusammenarbeit förmlich. Innerhalb von sechs Jahren entstanden Stücke, die heute in jedem Designgeschichtsbuch stehen: der Ant Chair (1952), die Serie 7 (1955), der Grand Prix (1957), Egg und Swan (1958). Alle diese Stücke wurden von Fritz Hansen produziert und sind bis heute ohne Unterbrechung im Programm.
1979 übernahm Skandinavisk Holding - eine Familienholding der dänischen Carlsberg-Brauergründerdynastie - das Unternehmen. Seitdem ist Fritz Hansen in privatem dänischem Besitz geblieben, was dem Haus eine Unabhängigkeit verschafft hat, die nicht selbstverständlich ist. Während andere Designhäuser an internationale Konzerne verkauft wurden, blieben die Entscheidungen über Kollektion, Preise und Markenpositionierung in Kopenhagen. Das erklärt, warum Fritz Hansen nie in die Richtung Low-Cost-Expansion abdriftete, die manche Konkurrenten eingeschlagen haben.
Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Republic of Fritz Hansen und beschäftigt rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Name "Republic" wurde Ende der 1990er Jahre eingeführt, um die zeitgenössische Designarbeit von der historischen Archivmarke abzugrenzen - ein Versuch, nicht nur als Museum für Jacobsen-Stücke wahrgenommen zu werden, sondern als aktive Produktmarke, die neue Designer aufnimmt. Dieser Versuch ist geglückt.
Designphilosophie: zeitlos heisst nicht erstarrt
Das Wort "zeitlos" wird in der Designbranche inflationär verwendet. Bei Fritz Hansen ist es keine Marketingphrase, sondern eine technische Beschreibung: Die Stühle aus den 1950er Jahren stehen heute in Büros und Wohnungen, weil sie funktionieren. Nicht weil sie retro wirken, nicht weil sie musealen Charme haben, sondern weil die Sitzgeometrie stimmt, das Material strapazierbar ist und die Form sich nicht gegen die Wände der Räume stemmt, in denen sie stehen.
Jacobsens Entwürfe folgten dem Prinzip, dass Form und Funktion identisch sein müssen. Der Ant Chair hat drei Beine, nicht weil das eleganter aussieht, sondern weil drei Beine auf unebenen Böden nie wackeln. Die Serie 7 hat eine rückennahe Schale, die den Rücken trägt, ohne zu umschließen - ein Unterschied, der nach vier Stunden Sitzen spürbar wird. Die Eierschale des Egg Chair umhüllt den Sitzenden so, dass akustische Privatsphäre entsteht, ohne die Verbindung zum Raum zu kappen.
Diese Funktionstreue ist auch der Grund, warum Fritz Hansen heute zeitgenössische Designer mit einem ähnlichen Briefing arbeiten lässt: kein Dekormöbel, kein Showpiece, sondern ein Stück, das in fünfzehn Jahren noch steht und nach fünfzehn Jahren noch besser sitzt. Designer wie Kasper Salto, Cecilie Manz und Jaime Hayón arbeiten innerhalb dieses Rahmens - jeder mit eigener Handschrift, aber derselben Grundüberzeugung.
Wichtige Stücke im Überblick
Ant Chair 3100 (1952, Arne Jacobsen)
Der Ant Chair war Jacobsens erster Schichtholzstuhl für Fritz Hansen und ein konstruktiver Bruch mit allem, was davor kam. Für die Kantine der Novo Nordisk Pharmafabrik in Bagsværd entwarf Jacobsen einen Stuhl ohne Querstrebe zwischen den Beinen - eine Struktur, die nur durch die Spannung der gepressten Holzschale stabil wird. Drei Metallbeine, eine einzige geschwungene Schale, kein Millimeter Material zu viel. Der Name kam von der Silhouette: von der Seite betrachtet, erinnert die Taille der Schale an eine Ameise. Der Ant Chair blieb anfangs ein Industrieauftrag, wurde aber schnell zum meistkopierten Stuhl seiner Generation. Fritz Hansen produziert ihn bis heute in Buche, Esche und Walnuss, mit vier oder drei Beinen.
Serie 7 / 3107 (1955, Arne Jacobsen)
Wenn nur ein einziger Stuhl genannt werden darf, der die gesamte Designgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts repräsentiert, nennen die meisten Kenner die Serie 7. Modell 3107 ist der Originalentwurf - eine Weiterentwicklung des Ant Chair, jetzt mit vier Beinen und einer breiteren, geschwungeneren Sitzschale, die auch ohne Polsterung komfortabel ist. Die Schale besteht aus neun bis zwölf Lagen Buchenfurnier, die unter Hitze und Druck in die charakteristische Doppelkrümmung gepresst werden. Diese Presstechnik erlaubt eine Schalenform, die in keiner anderen Konstruktionsweise erreichbar wäre - ein Massivholzstuhl dieser Geometrie würde splittern, ein Kunststoffstuhl wäre zu weich.
Über 7 Millionen Exemplare wurden seit 1955 produziert. Der Stuhl ist in mehr als 40 Farben erhältlich - von Weiß und Schwarz über Reinorange bis zu jahrgangsabhängigen Sonderfarben. Armlehnen (3207), Drehfuß (3117) und Bezugsvarianten in Kvadrat-Stoffen und Sørensen-Leder erweitern die Familie. Wer einen Serie-7-Stuhl kauft, kauft etwas, das in seiner Klasse keine Alternative hat.
Grand Prix Chair 3130 (1957, Arne Jacobsen)
Zwischen Serie 7 und Egg Chair entwarf Jacobsen 1957 den Grand Prix, einen Stuhl mit T-förmiger Rückenlehne und sichtbaren Schulteraussparungen. Der Grand Prix gewann im Jahr seines Erscheinens den Großen Preis der Mailänder Triennale - daher der Name. Die T-Form der Lehne gibt dem Sitzenden Schulterfreiheit und unterscheidet den Stuhl visuell von der vollflächigen Serie-7-Schale. Auch hier: Schichtholz gepresst, vier Metallbeine, stapelbar.
Egg Chair (1958, Arne Jacobsen)
Den Egg Chair entwarf Jacobsen ursprünglich für die Lobby und die Zimmer des Hotel SAS Royal in Kopenhagen - dem ersten Hochhaus Dänemarks, für das Jacobsen als Gesamtarchitekt verantwortlich war. Der Egg ist kein Stuhl im klassischen Sinne, sondern eine Muschel: Die Schale aus geformtem Polyurethan-Schaum über einem Stahlskelett umhüllt den Sitzenden nach oben und zu beiden Seiten und schafft damit ein Mikro-Refugium inmitten eines belebten Raums. Die akustische Abschirmung ist messbar - in einer Hotellobby mit Umgebungslärm ist der Egg ein Ort des konzentrierten Gesprächs oder des stillen Sitzens.
Heute kostet ein originaler Egg Chair je nach Bezugsstoff zwischen 7.000 und 10.000 Euro. Fritz Hansen stellt den Egg in Allerød her, mit handgefertigten Polsterarbeiten und Sørensen-Leder oder Kvadrat-Stoff nach Wahl. Ein Original erkennt man am FH-Stempel innen an der Schale und an der Modellplakette unter dem Drehfuß.
Swan Chair (1958, Arne Jacobsen)
Zusammen mit dem Egg entwarf Jacobsen für das Hotel SAS Royal den Swan Chair - ein kleinerer, niedrigerer Loungesessel ohne sichtbare Ecken, mit zwei geschwungenen Flügeln als Armlehnen, die der Form eines liegenden Schwans folgen. Der Swan sitzt tiefer als der Egg und ist für Lobbys und Loungebereiche gedacht, in denen man sich langfristig aufhält. Wo der Egg schützt und einhüllt, öffnet der Swan nach vorne und lädt zum Gespräch ein. Beide Stühle wurden damals auf einem kreuzförmigen Aluminiumfuß montiert - ein Detail, das bis heute unverändert geblieben ist.
Drop Chair (1958, Arne Jacobsen)
Ebenfalls für das Hotel SAS Royal entwickelt, aber lange weniger bekannt als Egg und Swan: Der Drop Chair hat eine tropfenförmige Schale, die sich nach oben leicht nach hinten neigt. Jacobsen entwarf ihn für die Hotelessbereiche. Fritz Hansen hat den Drop Chair 2014 als Re-Edition wieder aufgelegt und seither in die Standardkollektion übernommen.
PK-Linie (Poul Kjærholm)
Poul Kjærholm war Jacobsens Gegenstück in der dänischen Designgeschichte - wo Jacobsen mit Holz arbeitete, arbeitete Kjærholm mit poliertem mattem Stahl als Primärmaterial. Der PK22 (1956) ist ein flacher Loungesessel mit einem Stahlrohrgestell und einer Sitzfläche aus Kalbsleder oder Rattan; der PK91 (1961) ein einfacher quadratischer Hocker auf X-Gestell. Die PK24 Liege (1965) ist die eleganteste Ruhelösung in Kjærholms Werk: ein stählernes Kufengestell, auf dem ein geflochtenes Lederkissen ohne jede Schraube ruht. Der PK20 (1967) schließlich ist ein Loungesessel mit Wippfunktion auf federndem Stahlbügel. Alle vier werden von Fritz Hansen in der Linie Republic of Fritz Hansen unverändert in Produktion gehalten. Preise liegen beim PK22 zwischen 4.000 und 6.000 Euro.
China Chair JH810 (Hans J. Wegner)
Hans J. Wegner ist vor allem durch Carl Hansen & Søn bekannt - seinen Wishbone Chair, seinen Round Chair, seine Y-Back-Stühle. Aber zwei frühe Wegner-Entwürfe blieben bei Fritz Hansen: der China Chair (JH810, 1944), dessen Lehnenbogen von chinesischen Mingdynastie-Stühlen inspiriert ist, und der Egg China Chair (JH712, 1948). Beide werden von Fritz Hansen als Teil des historischen Erbes produziert.
Lissoni Sofa (Piero Lissoni)
Mit Piero Lissoni brachte Fritz Hansen eine mediterrane Designsprache ins skandinavische Programm. Das Lissoni Sofa - auch PL130 genannt - ist ein modulares Sitzprogramm mit sehr niedrigem Sitzprofil, langen flachen Kissen und Beinen aus satiniertem Aluminium. Lissoni entwarf es als Kontrast zur organischen Formensprache von Jacobsen: klar, geometrisch, mit Anklang an italienische Entwurfskultur der 1960er Jahre. Das Sofa eignet sich besonders für großzügige Loft-Räume und Empfangsbereiche.
Essay Table (Cecilie Manz)
Cecilie Manz entwarf für Fritz Hansen den Essay Esstisch - eine dünne, fast schwebende Tischplatte auf schräg gestellten Holzbeinen, die in ihrer Geometrie an ein aufgeschlagenes Buch erinnert. Der Essay Table erschien 2014 und war eine der ersten Kollaborationen von Manz mit Fritz Hansen. Er steht in vielen dänischen Essküchen als Gegengewicht zu den historischen Stühlen des Hauses: dieselbe Materialdisziplin, eine andere Generation.
Die Designer von Fritz Hansen
Fritz Hansens Designgeschichte beginnt und endet immer wieder bei einem Namen: Arne Jacobsen. Aber die Stärke des Hauses liegt darin, dass es nie bei einem Namen geblieben ist.
Arne Jacobsen (1902-1971) war dänischer Architekt und Produktdesigner in Personalunion. Er entwarf Gebäude und Möbel gleichzeitig - eine Haltung, die in der Moderne selten so konsequent durchgehalten wurde. Seine Zusammenarbeit mit Fritz Hansen ab 1934 begann mit kleineren Stuhlprojekten und kulminierte in den Jahren 1952 bis 1958 in einer Werkgruppe, die bis heute das visuelle Archiv des skandinavischen Designs definiert. Jacobsen arbeitete mit Modellen aus Pappmaché, Draht und Gips, bevor er einen Entwurf an Fritz Hansen übergab - ein Prozess, der sicherstellte, dass die Form nie Entwurfsidee blieb, sondern immer gewordenes Objekt wurde. Er starb 1971, zwei Jahre bevor die erste Retrospektive seines Werks in Kopenhagen eröffnete.
Poul Kjærholm (1929-1980) studierte an der Königlichen Dänischen Kunstakademie und entwickelte dort eine Möbelsprache, die bis heute einzigartig ist: Flachstahl, poliert oder gebürstet, kombiniert mit Leder, Schiefer, Marmor oder Rohrgeflecht. Kjærholm betrachtete Stahl nicht als industrielles Material, sondern als das dänische Naturmaterial des zwanzigsten Jahrhunderts - so präzise und ehrlich wie Eiche. Seine Möbel kamen ursprünglich über den Hersteller E. Kold Christensen auf den Markt, wurden aber nach dessen Tod an Fritz Hansen übertragen.
Hans J. Wegner (1914-2007) ist der vielleicht meistzitierte dänische Möbeldesigner - und seine enge Verbindung zu Carl Hansen & Søn überlagert die Tatsache, dass auch Fritz Hansen frühe Wegner-Stücke produziert. Der China Chair und der Egg China Chair sind Wegners früheste Stuhl-Entwürfe in Serienproduktion und stehen damit am Anfang einer der produktivsten Designerkarrieren der Möbelgeschichte.
Piero Lissoni ist Mailänder Architekt und Produktdesigner und seit den frühen 2000er Jahren fester Partner von Fritz Hansen. Lissoni bringt eine mediterrane Direktheit in das skandinavische Programm - seine Sofas und Tische für Fritz Hansen sind klarer, kühler und geometrisch strenger als die organischen Jacobsen-Formen, ohne den Materialstandard des Hauses zu unterschreiten.
Cecilie Manz, eine der renommiertesten lebenden dänischen Designerinnen, arbeitet für Fritz Hansen mit derselben methodischen Genauigkeit, mit der sie auch für Muuto und B&O tätig ist. Ihr Essay Tisch und der Minuscule Stuhl sind Beiträge, die das Haus in das einundzwanzigste Jahrhundert übersetzen, ohne die historische Linie zu brechen.
Weitere zeitgenössische Partner: Jaime Hayón (Fri Chair, Ro Chair), der spanische Designer mit einer verspielteren, skulpturaleren Handschrift; Nendo, das Tokioter Studio um Oki Sato (N01 Stuhl); Kasper Salto, dänischer Designer der Ice-Stuhlserie und des Pluralis-Tisches; sowie Jasper Morrison, der britische Meister der stillen Form.
Material, Handwerk und Fertigung
Die Materialsprache von Fritz Hansen ist schmaler und tiefer als die vieler Mitbewerber. Statt breiter Materialpalette konsequente Beherrschung weniger Materialien.
Schichtholz ist das Kernmaterial des Hauses - Buche für die meisten Jacobsen-Stühle, Esche und Walnuss als Premiumvarianten, Eiche für ausgewählte zeitgenössische Entwürfe. Das Pressverfahren, das Jacobsens Schalen erst möglich machte, hat sich in siebzig Jahren technisch verfeinert, aber nicht grundlegend verändert: Furnierlagen werden verleimt, erhitzt und unter hohem Druck in Metallformen gepresst. Die resultierende Doppelkrümmung ist stabiler als jede Massivholzkonstruktion gleicher Dicke.
Polierter Chromstahl und Mattchrom sind das Gestellmaterial der Jacobsen-Stühle und der gesamten Kjærholm-Linie. Fritz Hansen verwendet Stahl mit einer sorgfältig aufgetragenen Chrombeschichtung - das ist am Gewicht spürbar und an der Oberflächenreflexion sichtbar.
Sørensen Leder ist das Standardbezugsleder für Egg, Swan, Drop und die Kjærholm-Möbel. Sørensen ist ein dänisches Gerberei-Unternehmen, das als eines der wenigen Leder in ANILINE-Qualität produziert - ungefärbt, ungeprägt, nur mit wasserlöslichen Farben zugerichtet. Das Ergebnis ist ein Leder, das atmet, sich mit Gebrauch entwickelt und nach zwanzig Jahren besser aussieht als nach einem Jahr.
Kvadrat-Stoffe sind die Standardbezugsstoffe für Polstervarianten - Hallingdal, Divina und Steelcut Trio sind die meistgenutzten Qualitäten. Kvadrat ist ein dänischer Textilhersteller und enger Partner mehrerer skandinavischer Möbelhäuser. Für das Lissoni-Sofa kommt satiniertes Aluminium aus Italien zum Einsatz - ein Material, das Lissoni bewusst als Kontrast zum dänischen Chromstahl wählte.
Wo Fritz-Hansen-Möbel ihren Platz finden
Fritz Hansen ist in einem Segment aktiv, das man als "Architekturqualität für private Räume" beschreiben könnte. Die Stücke sind im Hotel- und Bürobereich genauso zu Hause wie in einer Kopenhagener Altbauwohnung oder einem Berliner Loft.
Konferenz und Büro. Die Serie 7 ist der meistgenutzte Konferenzstuhl in dänischen und deutschen Architekturbüros, Kanzleien und Agenturen. Ihr Vorteil: Sie stapelt bis zu sechs Stühle hoch, ist mit Filzgleitern für Parkettböden erhältlich und sieht nach zehnjährigem Konferenzstuhldasein noch wie neu aus. Der Oxford-Drehstuhl von Jacobsen (3271) war für das Oxford College of Business in England entworfen und blieb ein populärer Drehstuhl für Schreibtische.
Esszimmer. Ein Serie-7-Stuhl am Esstisch ist eine Entscheidung, die man einmal trifft. Der Stuhl ist in nahezu jeder Farbe erhältlich, passt zu Tischen aus Eiche, Marmor und Stahl, und sitzt mit oder ohne Polster komfortabel genug für mehrstündige Abendessen. Der Essay Tisch von Cecilie Manz kombiniert mit vier bis sechs 3107-Stühlen ist eine der langlebigsten Einrichtungskombinationen im dänischen Designkanon.
Lounge und Wohnbereich in der Stadtwohnung. Egg und Swan funktionieren in großen Lofts als skulpturale Solitäre und in kleineren Wohnungen als Einzelstücke, die einen Raumwinkel definieren. In Stadtwohnungen ab 60 Quadratmetern setzt man meist einen Egg an der Wand gegenüber dem Sofa - der Effekt ist ein ruhiger Gesprächsbereich innerhalb des Wohnzimmers, ohne bauliche Trennung. Das Lissoni-Sofa eignet sich für großzügige Lofts mit industriellem Charakter, wo seine tiefe Geometrie Raum braucht, um zu atmen.
Hotel und öffentliche Räume. Egg, Swan und das Lissoni-Sofa sind von Fritz Hansen ausdrücklich für den Contract-Bereich konzipiert - mit Bezügen in strapazierfähigen Kommerzialqualitäten und Gestellkonstruktionen, die den Belastungen eines Hotelbetriebs standhalten.
Fritz Hansen im Vergleich zu Carl Hansen und Muuto
Wer sich mit skandinavischem Design beschäftigt, trifft früher oder später auf drei Namen, die sich gegenseitig beleuchten: Fritz Hansen, Carl Hansen & Søn und Muuto. Sie vertreten unterschiedliche Generationen und Designpositionen innerhalb desselben Erbes.
Fritz Hansen vs. Carl Hansen & Søn. Beide Häuser sind dänisch, beide produzieren seit mehr als einem Jahrhundert, beide haben ikonische Stühle im Programm. Der Unterschied liegt im Material und in der Ästhetik. Carl Hansen arbeitet fast ausschließlich in Massivholz - Eiche, Buche, Nuss - und hält die Handwerksverbindung zur Traditions-Möbelschreinerei aufrecht. Wegners Wishbone Chair (CH24) ist ein Massivholzstuhl mit Papierkordflechtung - warm, organisch, dem Handwerk verpflichtet. Fritz Hansen hingegen ist ein Industriedesign-Haus: Schichtholz, Formpressen, Serienproduktion. Jacobsens Serie 7 ist wiederholbar bis zur Millionengrenze, Wegners Wishbone Chair erfordert über 100 Arbeitsschritte und bleibt ein Handwerksstück in Serienproduktion. Beide sind teuer, aber aus unterschiedlichen Gründen.
Fritz Hansen vs. Muuto. Muuto ist die jüngere Generation - gegründet 2006, mit zeitgenössischen Designern und einem Markenkern, der das skandinavische Erbe weiterdenkt, statt es zu bewahren. Wo Fritz Hansen Klassiker produziert und pflegt, entwickelt Muuto neue Stücke. Wer in einem Raum Fritz Hansen und Muuto kombiniert - etwa einen Serie-7-Stuhl mit einem 70/70-Tisch - erhält eine Einrichtung, die historische Tiefe mit zeitgenössischer Leichtigkeit verbindet. Das ist keine Konkurrenz, sondern eine Fortsetzung.
Pflege und Re-Editions
Fritz Hansen ist eines der wenigen Möbelhäuser, das aktiv in die Langzeitpflege seiner Stücke investiert. Ersatzteile - Gelenke, Gleitknöpfe, Polsterstoffe - sind über autorisierte Händler erhältlich. Polsterbezüge von Egg, Swan und Drop lassen sich in einer autorisierten Werkstatt austauschen, ohne die Schale zu tauschen. Das macht den Kauf eines originalen Egg Chair zu einer Entscheidung für Jahrzehnte, nicht für Jahre.
Jedes Jahr erscheinen limitierte Re-Edition-Farben unter dem Label Republic of Fritz Hansen. Jubiläumsfarben - zum Beispiel zum 150. Jahrestag 2022 - werden in streng begrenzten Auflagen produziert und sind auf dem Sekundärmarkt gesuchte Objekte. Wer einen Originalstempel (FH-Prägung unter der Sitzschale oder am Gestell) und die Originalmodellnummer überprüft, kann auch auf dem Gebrauchtmarkt sicher kaufen.
Für ältere Stücke ohne Polsterung gilt: Schichtholzflächen mit einem leicht feuchten, weichen Tuch reinigen. Keine Scheuermittel, keine Lösungsmittel, kein direktes Aufstehen von Wasser lassen. Geölte Holzoberflächen einmal jährlich mit einem farblosen Möbelöl nachbehandeln. Chromgestelle mit einem trockenen Tuch polieren - Kalkflecken gehen mit einem Tuch und handelsüblichem Kalkentferner weg, danach immer trockenreiben.
Lena Berger
Redakteurin und Innenarchitektin aus Hamburg. Schreibt seit 2014 über nordisches Design - früher für die deutsche Ausgabe von Wallpaper* und AD, heute für inwohn. Hat alle hier portraitierten Marken in Werkstätten und Studios in Kopenhagen, Helsinki und Oslo besucht.
Häufige Fragen zu Fritz Hansen
Wann wurde Fritz Hansen gegründet?
Fritz Hansen wurde 1872 in Kopenhagen vom Tischler Fritz Hansen Senior gegründet. Das Unternehmen begann als handwerkliche Schreinerei und entwickelte sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts zur führenden dänischen Möbelmanufaktur, besonders durch die Zusammenarbeit mit Arne Jacobsen ab 1934.
Wer war Arne Jacobsen?
Arne Jacobsen (1902-1971) war ein dänischer Architekt und Produktdesigner, der als einer der bedeutendsten Vertreter des skandinavischen Funktionalismus gilt. Seine Zusammenarbeit mit Fritz Hansen ab 1934 kulminierte in weltbekannten Stühlen wie dem Ant Chair (1952), der Serie 7 (1955), dem Grand Prix (1957) sowie Egg und Swan (1958), die beide ursprünglich für das Hotel SAS Royal in Kopenhagen entworfen wurden.
Welcher Fritz-Hansen-Stuhl ist der meistverkaufte?
Der Serie 7 Stuhl (Modell 3107) von Arne Jacobsen ist der meistverkaufte Designerstuhl der Welt. Seit seiner Einführung 1955 wurden über 7 Millionen Exemplare produziert. Der Stuhl überzeugt durch seine gestapelbare Schichtholzschale und ist in über 40 Farben sowie verschiedenen Gestelloptionen erhältlich.
Was kostet ein Original Serie 7 (3107)?
Ein originaler Fritz Hansen Serie 7 (Modell 3107) kostet je nach Ausführung zwischen 800 und 1.100 Euro. Modelle mit Chromgestell, hochwertigen Kvadrat-Wollbezügen oder Sørensen-Leder liegen deutlich höher. Günstigere Angebote online sind fast immer Replikate ohne Lizenz - erkennbar am fehlenden FH-Stempel unter der Sitzschale.
Wo wird Fritz Hansen produziert?
Fritz Hansen produziert hauptsächlich in Allerød, nördlich von Kopenhagen, wo sich bis heute der Hauptsitz befindet. Schichtholzschalen werden in Dänemark gepresst, Stahlgestelle in Zusammenarbeit mit europäischen Metallbetrieben gefertigt. Polsterarbeiten erfolgen teils in Dänemark, teils bei spezialisierten Betrieben in Mitteleuropa.
Sind Replikate des Egg Chair erlaubt?
Nein. Der Egg Chair ist als Geschmacksmuster und unter Urheberrecht in den meisten europäischen Ländern geschützt. Fritz Hansen geht aktiv gegen nicht lizenzierte Replikate vor. Wer einen echten Egg Chair kaufen möchte, sollte ausschließlich bei autorisierten Händlern kaufen und auf den eingeprägten FH-Stempel achten.
Wer war Poul Kjærholm?
Poul Kjærholm (1929-1980) war ein dänischer Möbeldesigner, der für seine Kombination aus poliertem Stahl und natürlichen Materialien wie Leder, Rattan und Marmor bekannt ist. Stücke wie der PK22 (1956), PK20 (1967), PK24 Liege (1965) und PK91 Fußhocker (1961) werden bis heute von Fritz Hansen in der Kollektion Republic of Fritz Hansen geführt.
Welche Garantie gibt Fritz Hansen?
Fritz Hansen gewährt fünf Jahre Garantie auf strukturelle Defekte bei Möbeln aus der regulären Kollektion, sofern der Kaufnachweis bei einem autorisierten Händler vorliegt. Ersatzteile wie Gleitknöpfe, Gestellschrauben und Polsterstoffe sind über den autorisierten Handel erhältlich.
Kann man Fritz-Hansen-Stühle nachbestellen?
Ja. Die Kernkollektion - Serie 7, Ant Chair, Egg, Swan, Grand Prix sowie die Kjærholm-Linie - ist kontinuierlich erhältlich und wird nie aus dem Programm genommen. Farben und Bezugsstoffe werden saisonal erweitert, aber die Stühle selbst bleiben dauerhaft im Programm.
Wo finde ich Fritz Hansen Showrooms in Deutschland?
In Deutschland ist Fritz Hansen unter anderem im Stilwerk Berlin, in München an der Maximilianstrasse, sowie in Hamburg und Düsseldorf bei autorisierten Partnern und Einrichtungshäusern vertreten. Auf der Fritz-Hansen-Website findet sich ein Händlerfinder mit aktuellen deutschen Adressen.
Wie pflegt man einen Egg Chair Lederbezug?
Sørensen-Leder - das Standardleder des Egg Chair - mit einem leicht feuchten, weichen Tuch abwischen. Einmal im Jahr mit einem farblosen Lederpflegemittel ohne Silikonanteil behandeln. Direktes Sonnenlicht vermeiden, da das Leder sonst ausbleicht und versprödet. Keine Lösungsmittel, keine Scheuerschwämme.
Gibt es Fritz Hansen second-hand?
Ja, der Gebrauchtmarkt ist sehr aktiv. Plattformen wie Pamono, Vinterior, Catawiki und 1stDibs listen regelmäßig Serie-7-Stühle, Egg Chairs und Kjærholm-Stücke. Authentizität prüfen: Originale tragen einen eingeprägten oder aufgeklebten FH-Stempel unter der Sitzschale oder am Gestell sowie eine Modellnummer.
Welche Höhe hat ein Serie 7?
Der Serie 7 (3107) hat eine Gesamthöhe von 79 Zentimetern, eine Sitzhöhe von 44 Zentimetern und eine Sitzbreite von 50 Zentimetern. Die Variante mit Armlehnen (3207) ist etwas breiter. Alle Maße sind für Esstische mit Standard-Tischhöhe von 74 bis 76 Zentimetern ausgelegt.
Welche Designer arbeiten heute für Fritz Hansen?
Neben den historischen Designlinien von Arne Jacobsen und Poul Kjærholm arbeitet Fritz Hansen mit zeitgenössischen Designern: Jaime Hayón (Fri Lounge Chair, Ro Chair), Piero Lissoni (Lissoni Sofa), Nendo (N01 Stuhl), Kasper Salto (Ice Stuhl, Pluralis Tisch) und Cecilie Manz (Essay Tisch, Minuscule Stuhl) sind aktuelle Partner.
Wie unterscheidet sich Fritz Hansen von Carl Hansen?
Fritz Hansen steht für skulpturales, oft organisch geformtes Schichtholzdesign und die Jacobsen-Tradition. Carl Hansen & Søn konzentriert sich auf massives Holz in handwerklicher dänischer Tradition, besonders durch Hans J. Wegners Wishbone Chair (CH24). Fritz Hansen ist stärker in Büro- und Hotelprojekten vertreten, Carl Hansen im privaten Wohnbereich mit hochwertigen Massivholzmöbeln.
Weitere Marken-Portraits
Wer Fritz Hansen versteht, sieht diese drei Häuser als direkte Fortsetzung oder Gegenüber: