Louis Poulsen ist die Leuchtenmarke, die kein anderes Land der Erde so konsequent hervorgebracht hat wie Dänemark. Die PH 5 über dem Esstisch, die PH Artichoke in der Hotellobby, die Panthella auf dem Sideboard - all das stammt aus Kopenhagen und trägt denselben Kern: Licht ist kein Lampenmodell, sondern eine atmosphärische Entscheidung. Seit 1874 und mit unverminderter Ernsthaftigkeit liefert dieses Haus die Argumente dafür.

Louis Poulsen auf einen Blick

Eine Lampenwerkstatt, die das skandinavische Licht definiert hat

Die Geschichte von Louis Poulsen beginnt mit einem Missverständnis. Wer den Namen heute hört, denkt sofort an die blendfreie PH-Pendelleuchte über dem Esstisch, an den Artichoke-Kronleuchter im Restaurant, an die Panthella auf dem Sideboard. Aber das Unternehmen, das Ludvig R. Poulsen 1874 in Kopenhagen ins Handelsregister eintragen ließ, hatte mit Licht zunächst gar nichts zu tun. Es war ein Importeur - für Wein aus Frankreich und Werkzeuge aus Mitteleuropa. Der Produktbereich Leuchten entstand erst dreißig Jahre nach der Gründung, als Sohn Ludwig Reinhardt Poulsen das Haus 1906 umbaute und begann, elektrische Installationsmaterialien und Lampen in den Bestand aufzunehmen.

Der eigentliche Wendepunkt kam 1924, als der junge Architekt und Theaterkritiker Poul Henningsen die Firmenleitung davon überzeugte, sein neuartiges Lampensystem in die Produktion aufzunehmen. Henningsen hatte das Problem des elektrischen Lichts analysiert wie ein Ingenieur: Die nackte Glühbirne war grell, warf harte Schatten, ließ Gesichter unnatürlich erscheinen. Die damaligen Lösungen - Glasschirme, Tüllverkleidungen, Seidenfransenlampenschirme - waren ästhetisch, aber lösten das Blendproblem nicht. Henningsen entwickelte ein geschichtetes Schalenreflektorsystem, bei dem jede Ebene so geformt war, dass das Licht ausschließlich an Oberflächen reflektiert wird, bevor es den Raum erreicht. Die Lichtquelle selbst bleibt aus jedem Blickwinkel vollständig verborgen.

Dieses System stellte er 1925 auf der Pariser Weltausstellung vor - und gewann eine Goldmedaille. Die damalige PH-Leuchte, weit wuchtiger als die heutigen Versionen, lief bereits in den Pariser Ausstellungspavillons und wurde von Journalisten aus ganz Europa beschrieben. Louis Poulsen hatte in einem Jahr den Sprung von einem regionalen Elektrohandel zu einem international beachteten Designunternehmen vollzogen.

Was folgte, war eine Zusammenarbeit zwischen Henningsen und Louis Poulsen, die bis zu Henningsens Tod 1967 dauerte und das Kernprogramm der Marke formte. Die PH-Reihe wurde in den Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern kontinuierlich verfeinert. 1958 erschienen gleichzeitig die PH 5, die bis heute die meistverkaufte Pendelleuchte des Hauses ist, und die PH Artichoke, das komplexeste Stück des gesamten Programms. Beide sind heute unverändert in Produktion.

Parallel dazu öffnete das Haus seine Zusammenarbeit auf weitere Architekten und Designer der dänischen Klassischen Moderne. Arne Jacobsen entwickelte 1957 die AJ-Familie für das von ihm entworfene Hotel Royal in Kopenhagen. Verner Panton brachte mit Flowerpot (1968), Topan (1959) und Panthella (1971) eine spielerische, von der Pop-Art beeinflusste Seite in das Programm, die den Kontrast zur strengen Funktionallogik des PH-Systems bildete. Vilhelm Lauritzen, einer der wichtigsten dänischen Architekten der Vorkriegszeit, entwarf die VL45 für das Kopenhagener Radiohus - eine Leuchte, die Louis Poulsen erst 2015 als Reissue wieder auflegte, weil die Nachfrage nach dem Original zu groß geworden war.

Heute beschäftigt Louis Poulsen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, exportiert in über 50 Länder und gehört seit 2019 der Investindustrial-Gruppe - derselben Holding, die auch Flos besitzt. Die Designentscheidungen werden weiterhin in Kopenhagen getroffen, das Programm wächst durch neue Kollaborationen mit zeitgenössischen Designern wie Oki Sato von nendo oder Shoichi Uchiyama, ohne die klassischen PH-Linien anzutasten.

Designphilosophie: Licht entwirft Räume, nicht Möbel

Louis Poulsens Markenbotschaft ist konzentrierter als die der meisten Möbel- und Einrichtungsmarken. Sie lautet nicht "schöne Leuchten" oder "skandinavisches Design", sondern: Licht ist das eigentliche Designmaterial. Eine Leuchte ist das Werkzeug, um es einzusetzen. Diese Haltung hat Poul Henningsen in den Zwanzigern formuliert und das Haus hat sie nie aufgegeben.

Praktisch bedeutet das: Jede Louis-Poulsen-Leuchte wird zunächst als Lichtlösung konzipiert. Die Frage ist immer, wie eine Oberfläche beleuchtet werden soll, bevor die Form der Leuchte entworfen wird. Das PH-System folgt dabei dem sogenannten logarithmischen Schalenaufbau: Die Schalen sind in einem mathematisch exakten Winkelabstand voneinander angeordnet, der sicherstellt, dass kein direkter Lichtstrom das Auge erreicht, egal aus welchem Betrachtungswinkel. Das weiche, warme Licht, das aus einer PH 5 nach unten fällt, ist das direkte Produkt dieser Konstruktionslogik.

Die sogenannte Drei-Stufen-Beleuchtung - ein Konzept, das Henningsen in Texten und Vorträgen immer wieder beschrieb - unterscheidet zwischen Allgemeinlicht, Arbeitslicht und Akzentlicht. Louis Poulsen liefert gezielt Leuchten für jede dieser Ebenen: Pendelleuchten wie die PH 5 für das Allgemeinlicht über dem Esstisch, Tischleuchten wie die AJ Table für konzentriertes Arbeitslicht, Wandleuchten wie die Toldbod für atmosphärisches Akzentlicht. Der Gedanke dahinter ist, dass gute Wohnraumbeleuchtung nie aus einer einzigen Lichtquelle besteht, sondern immer aus mindestens drei Ebenen.

Diese Philosophie macht Louis Poulsen zu einem ungewöhnlichen Designunternehmen: kein Sofa, kein Tisch, kein Regal - nur Licht. Und darin, über ein ganzes Jahrhundert hinweg, eine Konsequenz, die weltweit nur wenige Marken mit einem einzigen Material erreicht haben.

Wichtige Leuchten im Überblick

PH 5 (Poul Henningsen, 1958)

Die PH 5 ist die meistverkaufte Pendelleuchte Skandinaviens - und das seit fast sieben Jahrzehnten ohne eine einzige Designveränderung an der Grundkonstruktion. Die drei konzentrisch angeordneten Schalen mit 50 Zentimetern Gesamtdurchmesser folgen dem logarithmischen Henningsen-Prinzip und produzieren ein weiches, gleichmäßiges Licht nach unten, ohne die Glühlampe jemals direkt sichtbar werden zu lassen. Eine vierte, kleinere Schale unterhalb der Hauptschalen reflektiert das Restlicht nach oben und verhindert einen dunklen Spot an der Decke direkt über der Leuchte. Die PH 5 ist in rund zwanzig Farbkombinationen erhältlich, darunter das klassische Cremeweiß, ein tiefes Petrolblau und saisonale Sonderfarben. Preislich liegt sie zwischen 700 und 900 Euro.

PH Artichoke (Poul Henningsen, 1958)

Die PH Artichoke ist die technisch anspruchsvollste Leuchte im gesamten Programm. 72 einzelne Lamellen aus Metall oder Kupfer sind in zwölf Reihen von je sechs Stück konzentrisch um die Lichtquelle arrangiert - so präzise, dass aus keinem Blickwinkel eine direkte Sichtlinie zur Lampe entsteht. Das Licht, das die Artichoke aussendet, ist vollständig indirektes, an Lamellen reflektiertes Licht. Die Artichoke erschien 1958 im selben Jahr wie die PH 5, zunächst für den Kopenhagener Langelinie Pavillon. Heute ist sie in Metall, Kupfer und Edelstahl erhältlich, der Durchmesser reicht von 48 bis 84 Zentimetern. Preise beginnen bei 8.000 Euro und steigen je nach Material und Ausführung deutlich.

PH Septima (Poul Henningsen, 1928 / Reissue 2020)

Die PH Septima ist eine der frühesten Henningsen-Konstruktionen und wurde 2020 von Louis Poulsen nach fast neun Jahrzehnten wieder aufgelegt. Sieben konzentrische Schalen - daher der Name - erzeugen ein sehr weiches, nach oben gerichtetes indirektes Licht, das den gesamten Raum gleichmäßig ausleuchtet, ohne Schattenzonen zu erzeugen. Der Reissue folgt dem Originalentwurf, ist aber für moderne LED-Technologie ausgelegt. Die Septima richtet sich an Räume mit hoher Deckenhöhe - Bibliotheken, Flure, offene Wohnbereiche - und ist damit eine der wenigen Louis-Poulsen-Leuchten, die primär als Allgemeinlichtlösung konzipiert ist, nicht als Tisch- oder Esszimmerleuchte.

Panthella (Verner Panton, 1971)

Die Panthella steht ästhetisch im Gegensatz zum technischen Ernst des PH-Systems - und das ist mit Absicht. Verner Panton entwarf 1971 eine Tischleuchte, deren kugelförmige Opalglas-Haube auf einem geschwungenen, trompetenförmigen Sockel sitzt. Das Licht, das die Panthella aussendet, ist ringsum gleichmäßig diffus, da das mundgeblasene Opalglas die Lampe vollständig verhüllt. Panthella ist heute in mehreren Varianten erhältlich: als Tischleuchte in 40 und 70 Zentimetern Höhe, als Pendelleuchte und als Mini-Version mit 25 Zentimetern Kugeldurchmesser. Als Materialoptionen stehen weißes Opalglas, ein Marmorstandfuss und verschiedene farbige Lackierungen zur Wahl. Preise für die Standardvariante beginnen bei etwa 600 Euro.

Flowerpot (Verner Panton, 1968)

Die Flowerpot gehört zu den farbintensivsten Leuchten im Programm. Zwei Halbkugeln aus Metall - eine obere, kleinere Halbkugel und eine untere, größere - sind gegeneinander versetzt und lassen Licht nach unten und seitlich austreten, ohne die Lichtquelle direkt zu zeigen. Das Prinzip ist an Henningsen angelehnt, die Form ist pure Pop-Art. Panton entwarf die Flowerpot als Tischleuchte und als Pendelleuchte. Erhältlich ist sie in rund fünfzehn Farben, von Reinweiß über Korallenrot bis Dunkelgrün. Sie ist die günstigste Einstiegsleuchte im Louis-Poulsen-Programm und beginnt bei rund 250 Euro.

AJ Floor, AJ Wall, AJ Table (Arne Jacobsen, 1957)

Arne Jacobsen entwarf die AJ-Familie für das von ihm geplante Hotel Royal in Kopenhagen. Die charakteristische Visierform des AJ-Leuchtenkopfs richtet das Licht präzise nach unten und schirmt es gleichzeitig nach oben ab - eine Leselampe, die das Buch ausleuchtet und den Schlafpartner dabei nicht stört. Die Standleuchte, Wandleuchte und Tischleuchte teilen dieselbe Formsprache und sind heute in Schwarz, Weiß und einem warmen Grau erhältlich. Die AJ Floor liegt preislich zwischen 1.300 und 1.800 Euro, Tisch- und Wandversion beginnen bei 600 Euro.

NJP (Oki Sato / nendo im Dialog mit der AJ-Linie, 2012)

Die NJP ist das Ergebnis einer ungewöhnlichen Kollaboration: Louis Poulsen lud das japanische Designstudio nendo unter Oki Sato ein, die AJ-Linie konzeptuell weiterzudenken. Das Resultat ist eine Tisch- und Arbeitsleuchte mit einem extrem flachen, scheibenförmigen Leuchtenkopf, der fast vollständig aus der sichtbaren Fläche verschwindet, wenn man von vorne auf ihn blickt. Der Arm lässt sich in drei Gelenken verstellen. Die NJP ist auf Arbeitsbeleuchtung ausgelegt und in Weiß, Schwarz und Grau erhältlich, mit warmweißer oder neutralweißer Lichttemperatur je nach Einsatzbereich.

Toldbod (1930er Original, neu aufgelegt)

Die Toldbod ist eine der langlebigsten Leuchtenformen im Programm - eine schlichte, nach unten offene Metallhaube, die in ihrer ursprünglichen Version für Kopenhagener Zoll- und Hafenanlagen entworfen wurde. Louis Poulsen hat die Toldbod mehrfach als Wand- und Pendelleuchte für Aussenraum und Innenraum neu aufgelegt. Die aktuelle Version ist in IP44-Schutzklasse für halbgeschützte Aussenbereiche erhältlich und bleibt mit ihrer schmutzlosen Halbkugelform eines der am unauffälligsten einsetzbaren Modelle im gesamten Sortiment.

Patera (Øivind Slaatto)

Die Patera von Øivind Slaatto ist die mathematisch formschönste Leuchte im Programm. Slaatto arrangierte Fünfecke in einer Kugelstruktur nach den Prinzipien der Penrose-Parkettierung - ein Muster aus der Mathematik des Quasiperiodischen. Das Ergebnis ist eine transparente Kugelleuchte, deren Licht durch die Öffnungen zwischen den Fünfecken strahlt und ein unregelmäßiges, lebendiges Schattenmuster an Decke und Wände wirft. Die Patera ist als Pendelleuchte in drei Durchmessern erhältlich.

Yuh (Shoichi Uchiyama, 2018)

Die Yuh Tischleuchte ist die jüngste Klassikerin des Programms. Shoichi Uchiyama, ein japanischer Designer mit langer Erfahrung im skandinavischen Designkontext, entwarf eine Leuchte, die dem Körper des Lichts folgt - ein flacher, breiter Schirm aus weißem Polycarbonat auf einem geschwungen angewinkelten Aluminiumarm. Die Yuh eignet sich als Nacht-, Schreibtisch- und Sideboardleuchte. Ihre Stärke liegt im extrem gleichmäßigen, fast schattenlosen indirekten Licht nach oben und dem konzentrierteren Lichtfeld nach unten.

Die Designer hinter Louis Poulsen

Louis Poulsen arbeitet mit einem kuratierten Kreis von Designern - deutlich kleiner als die breiten Rollen einer Möbelmarke wie Muuto, aber dafür von außergewöhnlicher Tiefe und Konstanz.

Poul Henningsen (1894-1967) bleibt der überragende Name des Hauses, obwohl er seit fast sechzig Jahren nicht mehr lebt. Sein Beitrag war kein einzelnes Produkt, sondern ein System: das logarithmisch abgestufte Schalenreflektorsystem, das er ab 1924 mit Louis Poulsen entwickelte und sein gesamtes Designerleben lang weiterführte. Henningsen war dabei kein reiner Ingenieur - er schrieb Theaterkritiken, Gedichte und kulturpolitische Essays, und seine Texte über Licht, Wohnkultur und das bürgerliche Interieur gehören bis heute zur Pflichtlektüre der dänischen Designgeschichte. Die PH-Nummernreihe - PH 2, PH 3.5, PH 4, PH 4.5, PH 5, PH 6.5, PH 80 - folgt einem jahrzehntelangen Optimierungsprozess desselben Grundprinzips. Henningens letztes großes Werk, die PH Artichoke von 1958, gilt heute als das handwerklich wie geometrisch komplexeste Leuchtenstück der Nachkriegsmoderne.

Verner Panton (1926-1998) war der Gegenpol. Wo Henningsen Licht als technisches Problem löste, behandelte Panton es als Ereignis. Seine drei Beiträge zum Louis-Poulsen-Programm - Topan (1959), Flowerpot (1968), Panthella (1971) - sind farbenfroh, skulptural und von der europäischen Pop-Art beeinflusst. Die Panthella wurde zum Inbegriff der Siebziger-Ästhetik und ist heute mehr denn je ein Designobjekt, das zwischen Leuchte und Skulptur steht.

Arne Jacobsen (1902-1971) war mit Louis Poulsen durch eine konkrete Aufgabe verbunden: das von ihm entworfene Hotel Royal in Kopenhagen brauchte Leuchten, die zur Architektur passten, ohne sie zu übertönen. Die AJ-Familie, 1957 fertiggestellt, folgt der gleichen Formsprache wie Jacobsens Möbel - präzise, schwingungsarm, so funktional, dass die Form sich von selbst ergibt.

Vilhelm Lauritzen (1894-1984) entwarf die VL45 für das Radiohus Kopenhagen, eines der bedeutendsten dänischen Funktionalismusgebäude. Die Leuchte ist ein klares, technisches Stück ohne ornamentalen Überschuss - typisch für Lauritzens Architekturhaltung. Louis Poulsen hat sie 2015 als Reissue wieder aufgelegt und damit einen Teil der dänischen Rundfunkarchitekturgeschichte wieder zugänglich gemacht.

Oki Sato von nendo ist der wichtigste zeitgenössische Designer im Programm. Sein NJP-Entwurf von 2012 zeigt, dass Louis Poulsen auch außerhalb der eigenen skandinavischen Tradition arbeiten kann - japanisch-reduziert, auf minimale Formsignatur hin ausgerichtet. Seit der NJP hat Sato die Cirque-Mehrteiloptikserie entwickelt, die zeigt, dass Leuchten auch im Raumsystem zusammenarbeiten können.

Shoichi Uchiyama und GamFratesi stehen für die jüngste Generation: Uchiyama mit der Yuh (2018), GamFratesi mit der Above-Pendelleuchte - beides Stücke, die das Lichtvolumen neu interpretieren und beweisen, dass das Louis-Poulsen-Programm lebt, ohne auf Nostalgie zu setzen.

Lichttechnik und Konstruktion

Was Louis-Poulsen-Leuchten von Nachbauten und Billigimitaten unterscheidet, ist zu einem großen Teil unsichtbar. Das Schalenreflektorsystem der PH-Familie funktioniert nur dann wie vorgesehen, wenn die Winkel und Radien der Schalen mit Präzision im Zehntel-Millimeter-Bereich hergestellt werden. Ein Winkelfehler von drei Grad im Schalenabstand verändert den Lichtaustrittswinkel messbar und macht den Unterschied zwischen blendfreiem und halbblendendem Licht.

Die Metallschalen werden aus Aluminiumguss gefertigt und anschließend mehrfach grundiert und pulverbeschichtet. Louis Poulsen verwendet ausschließlich lösungsmittelfreie Pulverbeschichtungen auf Polyesterbasis - ein Verfahren, das nicht nur langlebiger ist als Nasslackierung, sondern auch deutlich wärmeresistenter, was bei den Temperaturen in der Nähe von Leuchtmitteln relevant ist.

Die Glaskomponenten - vor allem bei der Panthella und der Flowerpot - werden mundgeblasen in Dänemark hergestellt. Mundgeblasenes Opalglas hat eine leicht unregelmäßige Wandstärke, die die Lichtdiffusion anders verteilt als maschinell gefertigtes Glas. Louis Poulsen betrachtet diese minimale Variation als Qualitätsmerkmal, nicht als Fertigungsfehler.

In der Frage der LED-Modernisierung hat das Haus den Übergang sorgfältig vollzogen. Alle aktuellen Modelle sind LED-nativ konstruiert, mit integrierten Treibern, die auf 2700 Kelvin Farbtemperatur und CRI-Werte von mindestens 90 ausgelegt sind. Für ältere Bestandsleuchten bietet Louis Poulsen Retrofit-LED-Lösungen an, die die optischen Eigenschaften des ursprünglichen Reflektorsystems erhalten.

Wo Louis Poulsen Räume tatsächlich besser macht

Louis-Poulsen-Leuchten sind dann am wirkungsvollsten, wenn sie mit Bedacht platziert werden - nicht als Dekoration, sondern als Lichtarchitektur. Drei Raumsituationen zeigen das besonders deutlich.

Das Esszimmer. Eine PH 5 in Cremeweiß, mittig über dem Esstisch abgehängt mit 60 Zentimetern Unterkante über der Tischfläche, verwandelt einen normalen Esstisch in einen Ort mit eigenem Lichtraum. Das Licht der PH 5 fällt nicht auf die Decke, nicht an die Wände - es konzentriert sich auf den Tisch und die Gesichter der sitzenden Personen. Das Esszimmer, egal wie groß es ist, wirkt dadurch sofort wärmer und intimer als mit jeder Deckenleuchte.

Der Lounge-Bereich. Eine Panthella in Weiß auf einem Sideboard oder Beistelltisch gibt einem Sitzbereich eine zweite Lichtebene. Das diffuse, ringsum gleichmäßige Licht der Opalglas-Haube hellt Dunkelzonen auf, ohne blendend zu wirken. Kombiniert mit einer PH 5 über dem Esstisch im selben Raum entsteht exakt die Drei-Ebenen-Beleuchtung, die Henningsen in seinen Texten beschrieben hat - ohne dass man Henningsen dafür gelesen haben muss.

Der Schreibtisch. Die AJ Table oder die NJP auf dem Schreibtisch leuchten die Arbeitsfläche präzise aus, ohne Licht in den Raum zu streuen. Wer spät abends am Schreibtisch sitzt und den Rest des Zimmers nicht aufhellen will, bekommt mit der NJP eine Arbeitsleuchte, die Licht fast so gezielt einsetzt wie ein Chirurgenlicht - aber ohne dessen klinische Kälte. Die einstellbare Farbtemperatur der NJP macht sie zur flexibelsten Arbeitsleuchte im gesamten Programm.

Louis Poulsen im Vergleich zu Flos und Muuto

Wer zwischen Louis Poulsen, Flos und Muuto entscheidet, vergleicht drei sehr unterschiedliche Designhaltungen, auch wenn alle drei heute in ähnlichen Preisregionen arbeiten.

Louis Poulsen ist das technisch-funktionale Lichthaus. Jede Leuchte ist primär als Lichtlösung konzipiert - das Reflexionssystem ist das Produkt, das Gehäuse ist die Verpackung. Das macht Louis Poulsen zu einer Marke, die in Innenräumen sofort Wirkung entfaltet, aber kaum als Dekorationsobjekt funktioniert, wenn das Licht ausgeschaltet ist. Die Stärken liegen in der Langlebigkeit des Designs, der Materialgüte und der Lichttechnik.

Flos arbeitet breiter. Achille Castigliones Arco ist ein skulpturales Statement, Konstantin Grcics Mayday eine Gebrauchsleuchte im strengen Industriedesign-Sinn, Tobias Graus Wireworks-Serie eine Installation. Flos-Leuchten sind oft spektakulärer im ausgeschalteten Zustand als im eingeschalteten. Dass beide Marken heute zur selben Investindustrial-Holding gehören, ändert an ihren Programmen nichts - sie teilen keine Designer und keine Fertigungslinien.

Muuto ist das Leuchtenprogramm als Teil einer breiteren Wohnwelt. Leuchten machen dort nur einen Teil des Portfolios aus, das Möbel, Textilien und Accessoires umfasst. Wer eine vollständige Esszimmereinrichtung aus einer Hand sucht, ist bei Muuto besser aufgehoben. Wer ausschließlich Licht kauft und dabei keine Kompromisse eingehen will, findet bei Louis Poulsen die tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema.

Pflege und Ersatzteile

Louis-Poulsen-Leuchten sind so konstruiert, dass sie Jahrzehnte halten - was aber voraussetzt, dass sie gepflegt werden. Die Metallschalen der PH-Familie sammeln Staub und Fett, der die Lichtreflexion allmählich verändert. Louis Poulsen empfiehlt eine monatliche Reinigung mit einem trockenen oder leicht feuchten Mikrofasertuch. Scheuernde Reiniger sind tabu; sie zerstören die Pulverbeschichtung und verändern die Reflexionseigenschaften der Oberfläche.

Besondere Sorgfalt braucht die PH Artichoke. Ihre 72 Einzellamellen müssen einzeln abgewischt werden - ein Aufwand, der sich alle zwei bis drei Monate lohnt. Ein weicher Pinsel für die Erstabstaubung, dann ein trockenes Mikrofasertuch. Wer eine Artichoke im Restaurant oder Hotel betreibt, wo Fettpartikel aus der Küche in die Leuchte ziehen, sollte häufiger reinigen.

Das mundgeblasene Opalglas der Panthella und der Flowerpot wird mit klarem Wasser und einem Tropfen milden Spülmittels gereinigt, dann trocken gerieben. Scheuernde Schwämme hinterlassen feine Kratzer, die das Streulicht sichtbar verändern.

Ersatzteile sind für alle aktiven Modelle über autorisierte Händler erhältlich. Louis Poulsen sichert die Ersatzteilversorgung für eingestellte Modelle mindestens zehn Jahre nach Produktionsende zu. Für ältere Vintage-Leuchten aus den Sechziger- und Siebzigerjahren gibt es in Dänemark spezialisierte Restaurationswerkstätten, die auch Glas- und Schalenreparaturen an PH-Leuchten durchführen.

Lena Berger

Redakteurin und Innenarchitektin aus Hamburg. Schreibt seit 2014 über nordisches Design - früher für die deutsche Ausgabe von Wallpaper* und AD, heute für inwohn. Hat alle hier portraitierten Marken in Werkstätten und Studios in Kopenhagen, Helsinki und Oslo besucht.

Innenarchitektur HFG BDIA-Mitglied Seit 2014

Häufige Fragen zu Louis Poulsen

Seit wann gibt es Louis Poulsen?

Louis Poulsen wurde 1874 in Kopenhagen von Ludvig R. Poulsen gegründet - zunächst als Import- und Handelshaus für Wein und Werkzeuge. Das Lampenprogramm begann erst 1906 unter Sohn Ludwig Reinhardt Poulsen, die eigentliche Designgeschichte startete 1924 mit der Partnerschaft zu Poul Henningsen.

Wer war Poul Henningsen?

Poul Henningsen (1894-1967) war dänischer Architekt, Theaterkritiker und Erfinder des nach ihm benannten PH-Lampensystems. Er entwickelte ab 1924 ein geschichtetes Reflektorsystem, das Glühlicht in weiches, blendfreies Licht verwandelt. Sein Drei-Schalen-Prinzip von 1925 war auf der Pariser Weltausstellung eine Sensation und legte den Grundstein für alle heutigen PH-Leuchten.

Was bedeutet PH bei Louis Poulsen?

PH steht für Poul Henningsen, den Architekten und Erfinder des Louis-Poulsen-Reflektorsystems. Alle Leuchten mit dem Kürzel PH folgen seinem logarithmischen Schalenaufbau: Jede Schale ist so geformt, dass die Lichtquelle selbst aus keinem Blickwinkel direkt sichtbar ist - nur indirektes, reflektiertes Licht erreicht das Auge.

Wo werden Louis Poulsen Leuchten produziert?

Die Glaskomponenten - vor allem das mundgeblasene Opalglas - werden in Dänemark in der Stadt Vejen gefertigt. Metallgehäuse aus Aluminiumguss und Stahlblech entstehen in Polen. Die Endmontage und Qualitätskontrolle findet in Dänemark statt.

Welche Leuchte gilt als ikonischste?

Die PH 5 Pendelleuchte von 1958 gilt als die meistverkaufte Pendelleuchte Skandinaviens. Ihr dreilagiges Reflektorsystem mit 50 Zentimetern Durchmesser ist seit fast sieben Jahrzehnten unverändert in Produktion und definiert bis heute das Bild der dänischen Wohnküche.

Was kostet eine PH 5 Pendelleuchte?

Eine PH 5 kostet je nach Farbgebung und Ausführung zwischen 700 und 900 Euro im Fachhandel. Limitierte Sonderfarben und Jubiläumsversionen können deutlich teurer sein. Second-Hand-Exemplare aus den 1960er bis 1980er Jahren sind auf Plattformen wie Pamono oder 1stDibs für 300 bis 600 Euro erhältlich, wenn sie in gutem Zustand sind.

Ist die Panthella outdoor-tauglich?

Die Standard-Panthella ist ausschließlich für Innenräume konzipiert. Das mundgeblasene Opalglas und der Metallsockel sind nicht gegen Feuchtigkeit oder UV-Strahlung versiegelt. Louis Poulsen bietet keine offizielle Outdoor-Version der Panthella an; für den Aussenbereich empfiehlt die Marke stattdessen die Toldbod-Familie oder spezielle IP44-Varianten der Flindt-Kollektion.

Welche Höhe für eine PH 5 über dem Esstisch?

Louis Poulsen empfiehlt für die PH 5 eine Abhängehöhe von 55 bis 65 Zentimetern Unterkante über der Tischplatte. Bei einer Deckenhöhe von 2,60 Metern und einem Standardesstisch mit 76 Zentimetern Höhe ergibt das eine Pendelkabellänge von etwa 115 bis 125 Zentimetern vom Deckenhaken.

Kann man LED in alte PH-Leuchten einbauen?

Ja, aber mit Bedacht. Louis Poulsen hat für viele PH-Modelle offiziell kompatible LED-Retrofitlösungen im Angebot. Wichtig ist, eine Lampe mit warmweißem Farbton (2700 Kelvin) und einem hohen CRI-Wert von mindestens 90 zu wählen, da das PH-System auf warmes Glühlicht ausgelegt ist. Kaltweiße LED verändern die Farbtemperatur des Reflektorsystems erheblich.

Wer hat die Panthella entworfen?

Die Panthella wurde 1971 von Verner Panton entworfen. Panton war bereits mit der Flowerpot (1968) und der Topan (1959) bei Louis Poulsen vertreten. Die Panthella kombiniert eine kugelförmige Opalglas-Haube mit einem trompetenförmigen Sockel - ein Stück Pop-Art-Leuchtendesign, das die streng technische PH-Linie der Marke um eine skulpturale Dimension erweiterte.

Wo finde ich Louis Poulsen in Deutschland?

Louis Poulsen ist in Deutschland über das Stilwerk in Berlin, München, Hamburg und Frankfurt vertreten. In Düsseldorf gibt es eine eigene Vertretung. Autorisierte Fachhändler finden sich über den Händlerfinder auf louispoulsen.com. Einige Modelle wie die Panthella sind auch über designaffine Online-Shops wie AmbienteDirect oder Connox erhältlich.

Welche Garantie gibt Louis Poulsen?

Louis Poulsen gewährt fünf Jahre Garantie auf strukturelle Defekte - also Gehäuse, Schalen und Sockelmechanismus. Elektrische Komponenten wie LED-Treiber und Kabel sind mit zwei Jahren abgedeckt. Voraussetzung ist der Kaufnachweis bei einem autorisierten Händler.

Wie reinigt man eine PH Artichoke?

Die 72 Lamellen der PH Artichoke lassen sich mit einem trockenen oder leicht feuchten Mikrofasertuch einzeln abwischen. Scheuermittel und feuchtes Einweichen sind tabu, da die lackierten Aluminiumlamellen empfindlich auf Chemikalien reagieren. Bei starker Staubablagerung empfiehlt Louis Poulsen das Abstauben mit einem weichen Pinsel, bevor ein Tuch eingesetzt wird.

Gibt es Original-Ersatzteile für alte PH-Leuchten?

Ja. Louis Poulsen hält Ersatzteile für die meisten aktiv produzierten Modelle bis zu zehn Jahre nach Produktionsstopp vor. Dazu gehören Glasschalen, Kabelsets und Baldachine. Für ältere Vintage-Exemplare aus den 1960er bis 1980er Jahren sind Ersatzteile oft über spezialisierte Restauratoren und den dänischen Gebrauchtmarkt erhältlich.

Wie unterscheidet sich Louis Poulsen von Flos?

Louis Poulsen ist das technisch-funktionale Lichthaus: Jede Leuchte ist primär als Lichtlösung konzipiert, Ästhetik folgt der Funktion. Flos dagegen arbeitet breiter mit Formexperimenten - von Achille Castigliones Arco bis zu Tobias Graus Arrangements. Beide sind heute in derselben Holding (Investindustrial), teilen aber keine Designer und keine Produktionslinien.


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