Auf Regalen, Sideboards und Fensterbänken in Skandinavien steht sie überall: die Hammershøi-Vase von Kähler - eine schlichte Steinzeug-Form mit horizontalen Rillen und matter Glasur, die nichts behauptet und trotzdem den Raum still verändert. Hinter der Serie steckt eine der ältesten Keramikmanufakturen Dänemarks, ein Maler des 19. Jahrhunderts, dessen Bruder jahrzehntelang für dasselbe Haus arbeitete, und ein Designprinzip, das Zurückhaltung für sich zum höchsten Handwerk erklärt.
Hammershøi auf einen Blick
- Hersteller: Kähler Design, gegründet 1839 in Næstved, Dänemark.
- Hammershøi-Serie: Entworfen 2014 von Hans-Christian Bauer.
- Namensgebung: Inspiriert vom dänischen Maler Vilhelm Hammershøi (1864-1916).
- Historische Verbindung: Svend Hammershøi, Bruder des Malers, war 1907-1937 Künstler bei Kähler.
- Portfolio: Vasen (H10 bis H75 cm), Schalen, Tassen, Krüge, Kerzenhalter, Lichthäuser, Urnen.
- Signaturen: Horizontale Handrillen, matte Steinzeug-Glasur, gedeckte Farbpalette.
- Eigentümer: Rosendahl Design Group seit 2017.
Eine Keramikmanufaktur mit 185 Jahren Geschichte
Als Herman J. Kähler 1839 in Næstved auf der dänischen Insel Seeland seine Töpferwerkstatt eröffnete, war das Ziel bescheiden: gutbürgerliche Gebrauchskeramik für den lokalen Markt. Næstved war damals ein Provinzstädtchen, bekannt vor allem durch seinen Hafen und seinen Handelsknotenpunkt, nicht durch Kunst oder Design. Kähler lieferte Krüge, Töpfe und Schüsseln in handwerklicher Qualität - solide, ohne Ambitionen auf Weltgeltung.
Das änderte sich grundlegend, als Herman J. Kählers Söhne die Werkstatt übernahmen und mit dem Kunsthandwerk-Revival der Gründerzeit in Berührung kamen. Unter der Leitung von Herman A. Kähler, dem Enkel des Gründers, wurde die Manufaktur Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der spannendsten Experimentierfelder für glasierte Keramik in ganz Skandinavien. Der Wendepunkt kam mit dem Chefdesigner Karl Hansen Reistrup.
Reistrup entwickelte in den 1880er und 1890er Jahren eine eigene Variante der Kupferrot-Glasur, die er an das traditionelle chinesische Sang-de-Bœuf-Verfahren anlehnte. Das leuchtende Blutrot, das durch präzise Kontrolle der Ofentemperatur und der Reduktionsatmosphäre entsteht, ist bis heute eine der technisch anspruchsvollsten Glasuren der Keramikgeschichte. Reistrups Kähler-Stücke mit dieser Glasur wurden auf der Pariser Weltausstellung 1889 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet - eine Sensation für ein Haus aus der dänischen Provinz.
Um 1907 heuerte die Manufaktur den Künstler Svend Hammershøi an - den jüngeren Bruder des Malers Vilhelm Hammershøi. Svend war selbst Keramiker und Maler; seine Entwürfe für Kähler zeigten eine verwandte Ästhetik: gedämpfte Töne, organische Formen, eine Abkehr vom Historismus der Gründerzeit hin zu etwas Ruhigerem. Svend Hammershøi blieb bis 1937 im Haus - drei Jahrzehnte, in denen er das Kähler-Programm mit einer Handschrift prägte, die unverkennbar mit der malerischen Sprache seines Bruders korrespondierte. Diese Verbindung zwischen dem Kähler-Haus und dem Namen Hammershøi begann also nicht 2014, sondern mehr als hundert Jahre früher.
Die Zwischenkriegszeit und die Nachkriegsjahrzehnte brachten Kähler in Schwierigkeiten. Massenproduktion, billige Importware und veränderte Konsumgewohnheiten ließen die Manufaktur in eine anhaltende Krise gleiten. In den 1970er und 1980er Jahren stand das Haus mehrfach kurz vor der Insolvenz. Der historische Standort in Næstved schrumpfte, viele der überlieferten Glasurrezepturen gerieten in Vergessenheit.
Den Wendepunkt brachte ein gezieltes Rebranding ab 2008: Kähler wurde zu "Kähler Design" und richtete sich neu auf das Segment zeitgenössischer Wohnaccessoires aus, ohne das handwerkliche Erbe zu verleugnen. Neue Designkooperationen entstanden, alte Kollektionen wurden reinterpretiert. 2014 präsentierte Hans-Christian Bauer die Hammershøi-Serie - und die Manufaktur hatte ihre wichtigste Produktfamilie der Neuzeit gefunden. Der Standort in Næstved wurde 2016 endgültig geschlossen; seit 2024 führt Kähler eine neue Werkstatt in Hjørring in Nordjütland, die die handwerkliche Tradition unter neuen Vorzeichen fortsetzt.
Wer war Vilhelm Hammershøi?
Vilhelm Hammershøi wurde 1864 in Kopenhagen geboren und starb dort 1916 - ein halbes Jahrhundert, das die dänische Kunst tiefgreifend verändern sollte. Er studierte an der Königlich Dänischen Kunstakademie und reiste wie die meisten Künstler seiner Generation durch Europa: Paris, London, Italien. Was er mitbrachte, war keine impressionistische Farbfreude, sondern eine fast obsessive Stille.
Seine bekanntesten Bilder zeigen Innenräume: ein Zimmer in seiner Wohnung in der Strandgade in Kopenhagen, mit einem Fenster, durch das blasses Licht fällt. Eine Frau mit dem Rücken zum Betrachter. Ein leerer Korridor. Die Palette ist auf wenige gebrochene Weißtöne, Grau, Umbra und mattes Blaugrau reduziert. Es gibt nichts Dramatisches, keine Erzählung, kein offensichtliches Motiv - nur die Atmosphäre eines Augenblicks, in dem niemand spricht.
Hammershøi wurde zu Lebzeiten hoch gelobt, nach seinem Tod zunächst vergessen und erst in den 1990er Jahren international wiederentdeckt. Das Kunstmuseum Ordrupgaard bei Kopenhagen widmete ihm eine vielbeachtete Retrospektive; Ausstellungen in New York, London und Paris folgten. Heute gilt er als einer der wichtigsten nordischen Maler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts - und als Vorläufer einer kontemplativen Bildsprache, die man heute in der gesamten skandinavischen Designkultur wiederfindet.
Für Kähler war die Entscheidung, 2014 eine Keramik-Serie nach ihm zu benennen, nicht zufällig. Die gedämpfte Farbpalette, die Betonung von Stille und Licht, die Abwesenheit von Ornamentik - das alles findet sich in der Hammershøi-Serie direkt gespiegelt. Und der historische Bogen über Bruder Svend Hammershøi, der drei Jahrzehnte für Kähler arbeitete, macht die Namensgebung zu mehr als einer Marketingentscheidung: Sie ist eine bewusste Rückkehr zu einem Kapitel der eigenen Geschichte.
Designphilosophie der Hammershøi-Serie
Hans-Christian Bauer hat die Hammershøi-Serie 2014 mit einem klaren Leitprinzip entworfen: Weniger ist nicht nur mehr - es ist das eigentliche Handwerk. Jede Vase der Serie ist im Kern eine geometrisch präzise Form, ein Zylinder oder ein leicht sich nach oben verjüngender Korpus, der nichts versteckt und nichts vorgibt. Was diese Formen von industrieller Massenware trennt, sind drei Details.
Das erste ist die Rille. In den noch weichen, lederharten Ton werden von Hand horizontale Linien eingezogen, gleichmäßig über den gesamten Körper der Vase verteilt. Sie sind keine Dekoration im traditionellen Sinn, sondern ein strukturelles Merkmal: Sie fangen Licht ein, betonen die Vertikale und geben der glatten Oberfläche eine taktile Tiefe, die man erst beim Anfassen vollständig begreift. In einem Sonnenlichtfenster erscheint die Rille als Lichtspiel; im Kunstlicht eines Sideboards als ruhiger Rhythmus.
Das zweite ist die Glasur. Kähler verwendet für die Hammershøi-Serie eine matte Steinzeugglasur ohne Hochglanzanteil. Die Oberfläche nimmt kein scharfes Spiegelbild auf, sondern streut das Licht weich - eine Eigenschaft, die mit den Gemälden Vilhelm Hammershøis direkt korrespondiert. Wo der Maler das Licht in seinen Bildern gedämpft und seitwärts einsetzte, macht die matte Glasur dasselbe auf dem Objekt selbst.
Das dritte ist die Palette. Grau, Anthrazit, Weiß, Rosé, Marsala, Mocca und Schwarz - keine dieser Farben drängt sich auf. Kähler verzichtet bewusst auf gesättigte Primärfarben. Die Töne sind so abgestimmt, dass sie in verschiedenen Beleuchtungssituationen funktionieren und sich mit anderen Materialien - Holz, Leinen, Terrakotta - verbinden, ohne zu dominieren.
Wichtige Stücke der Hammershøi-Serie
Die Hammershøi-Vasen
Das Herz der Serie sind die Vasen. Kähler bietet sie in einer ungewöhnlich breiten Größenspanne an: von zierlichen Stücken mit 10 Zentimetern Höhe bis zu raumgreifenden Boden-Skulpturen mit 75 Zentimetern. Die kleinen Vasen (H10, H15) eignen sich für einzelne Stiele, Trockenblumen oder ornamentale Zweige; hier zeigt die Rille ihre Wirkung am deutlichsten, weil kein üppiges Blattwerk die Form verdeckt. Mittlere Größen (H25, H34) sind die meistverkauften Stücke und funktionieren sowohl als Einzelobjekt als auch in Gruppen von drei bis fünf Vasen verschiedener Höhen. Die großen Vasen (H50, H75) verhalten sich wie Skulpturen: Sie stehen allein, brauchen Luft um sich und verändern einen Raum nachhaltig. Wer alle drei Größenklassen auf einem Sideboard kombiniert, legt ein Stillleben an, das man nicht mehr erklären muss.
Hammershøi-Schalen
Die Schalen der Hammershøi-Serie tragen das Rillen-Prinzip auf eine offene Form über. Flache Schalen in Grau und Weiß dienen als Ablageschalen für Schlüssel oder Schmuck; tiefere Schalen als dekorative Objekte auf dem Esstisch. Die matte Glasur macht sie unempfindlicher gegenüber Kratzern als Hochglanzporzellan, obwohl Kähler auch hier die Handwäsche empfiehlt. Als Obstschale auf dem Küchentisch oder als Brotkorb-Pendant beim Frühstück verbinden sie Nutzung und Dekoration nahtlos.
Hammershøi-Tassen und Krug
Die Tassen - sowohl mit als auch ohne Henkel - erweitern die Serie in den Bereich des alltäglichen Gebrauchs. Die Henkellosvariante ist an japanische Yunomi-Becher angelehnt und wird oft als Teeglas verwendet. Der passende Krug, ebenfalls mit horizontalen Rillen, ergänzt ein Tischgedeck um ein stimmiges Keramik-Ensemble. Wer Freude an gedeckten Frühstückstischen hat, findet in Hammershøi-Tassen und Krug eine zurückhaltende Alternative zu weißem Hotelporzellan - eine, die das Frühstücksritual verlangsamt.
Hammershøi-Kerzenhalter
Die Kerzenhalter der Hammershøi-Serie sind für Standard-Stabkerzen ausgelegt. Sie wiederholen die Vasensilhouette in Miniatur - ein kurzer Zylinder mit dem charakteristischen Rillenband. In Grau und Anthrazit fügen sie sich an Esstischen, Fensterbrettern oder Kaminabsätzen ein, ohne die Kerze selbst zu übertrumpfen. In Gruppen von drei oder fünf Stück auf einem Tablett aus Eichenholz ergeben sie ein typisches skandinavisches Tischdekoration-Motiv, das mit wenig Aufwand eine Abendatmosphäre schafft.
Hammershøi-Lichthaus
Das Hammershøi-Lichthaus ist eines der aufwendigsten Stücke der Serie. Die Form erinnert an eine Laterne oder ein kleines Architekturmodell mit einem Deckel oder Schlitzen, durch die Licht austritt. In das Innere wird eine Kerze oder ein LED-Teelicht gestellt; das matte Steinzeug filtert das Licht weich und erzeugt ein gedämpftes, warmes Leuchten. In der Dunkeljahreszeit - den langen skandinavischen Herbst- und Winterabenden - sind die Lichthäuser zu einem Signalstück von Kähler geworden. Sie kosten zwischen 100 und 200 Euro und sind in denselben gedeckten Farbtönen erhältlich wie die Vasen.
Hammershøi-Urnen
Die Urnen der Serie sind bauchige, geschlossene Gefäße mit einem aufgesetzten Deckel - die Form ist voluminöser und archaischer als die schlanken Vasen. Sie erinnern an antike Amphoren, interpretiert in nordischer Schlichtheit. Als Einzelstücke auf dem Boden oder auf einem niedrigen Sideboard wirken sie wie skulpturale Setzungen. Die Rillen sind hier weniger dicht, die Glasur erscheint durch die größere Fläche satter. Wer ein ruhiges Statement sucht, ohne die Strenge der Vase, findet in der Urne eine weichere Variante des Hammershøi-Gedankens.
Verwandte Serien: Avvento und Urbania
Im Kähler-Sortiment stehen neben Hammershøi zwei weitere Serien, die in ähnlichen Einrichtungskontexten auftauchen. Der Avvento-Adventskerzenhalter ist ein vierarmiger Kerzenring aus Steinzeug, der für die Weihnachtszeit entworfen wurde; seine kompakte, geometrische Form passt zu Hammershøi-Stücken auf dem Esstisch und folgt derselben Idee der Stille und des gedämpften Lichts. Die Urbania-Lichthäuser von Helle Damkjær sind architektonische Keramik-Objekte in der Form skandinavischer Häuserreihen - nicht direkt mit der Hammershøi-Serie verwandt, aber in derselben Markenwelt zuhause und auf denselben Regalen zu finden.
Designer und Manufaktur-Tradition
Die Geschichte der Kähler-Gestaltung ist lang genug, um mehrere Kapitel zu füllen. Wer die Hammershøi-Serie versteht, versteht sie besser, wenn er weiß, in welcher Tradition Hans-Christian Bauer 2014 arbeitete.
Der wichtigste Vorläufer ist Karl Hansen Reistrup, Chefdesigner bei Kähler von etwa 1885 bis in die frühen 1900er Jahre. Reistrup war kein Töpfer im handwerklichen Sinn, sondern ein Kunsthandwerker mit akademischer Bildung. Er verstand Keramik als künstlerisches Medium und entwickelte Glasurexperimente, die bis dahin in Dänemark unbekannt waren. Seine Kupferrot-Glasur brachte das Haus auf die Weltausstellungs-Landkarte. Was Reistrup für Kähler tat - höchste handwerkliche Raffinesse mit einem ernsthaften Designanspruch verbinden - ist der Maßstab, an dem alle späteren Kähler-Serien gemessen werden.
Hans-Christian Bauer hat mit Hammershøi das überzeugendste zeitgenössische Argument für diesen Maßstab geliefert. Sein Entwurf verzichtet auf Dekor, setzt aber gleichzeitig auf maximale handwerkliche Präzision: Die Rillen müssen gleichmäßig sein, die Glasur muss deckend und mattierend zugleich sein, die Proportionen der Vase müssen in jeder Größenstufe funktionieren. Das ist keine einfache Aufgabe, und die Dauerpräsenz der Hammershøi-Vasen in Designmagazinen seit über zehn Jahren ist das Zeugnis dafür, dass Bauer sie gelöst hat.
Karen Kjældgård-Larsen entwarf für Kähler die Omaggio-Serie, die in manchem eine Ergänzung zu Hammershøi ist. Wo Hammershøi horizontal denkt und kühle Geometrie betont, zeigt Omaggio geschwungene, vertikale Streifen in zwei Farben auf einer organischeren Vasenform. Kjældgård-Larsens Entwurf ist bewegter, weicher - ein anderer Aspekt der gleichen nordischen Zurückhaltung, der dieselben Käufer anspricht, die Hammershøi lieben, aber nach etwas mehr Bewegung suchen.
Helle Damkjær verantwortet die Urbania-Lichthäuser, eine Serie keramischer Objekte in Hausform. Damkjærs Entwurf ist spielerischer als Hammershøi, teilt aber die Überzeugung, dass Keramik im Wohnraum keine pragmatische Funktion braucht, um ihren Platz zu rechtfertigen.
Die historische Brücke zwischen Kähler und dem Namen Hammershøi liegt in Svend Hammershøi (1873-1948), dem Bruder des Malers. Svend arbeitete von 1907 bis 1937 als Künstler und Entwurfskollaborateur für das Haus in Næstved - drei Jahrzehnte, in denen er organische Gefäßformen und gedämpfte Glasurfarben in die Produktlinie einbrachte, die dem Stil seines berühmten Bruders nicht unähnlich waren. Wenn Kähler 2014 die neue Vase nach Vilhelm Hammershøi benennt, schließt das implizit auch an Svends Jahrzehnte im Haus an - eine doppelte historische Legitimation, die in der Welt des skandinavischen Designmarketings ihresgleichen sucht.
Material, Glasur und Handwerk
Die Hammershøi-Serie wird aus Steinzeug gefertigt - einem keramischen Material, das bei deutlich höheren Temperaturen als gewöhnliches Steingut oder Porzellan gebrannt wird. Der Brennvorgang findet bei rund 1220 Grad Celsius statt, was das Material verdichtet, wasserundurchlässig und mechanisch robust macht. Steinzeug klingt beim Klopfen dumpfer als Porzellan, hat aber eine wärmere Haptik und nimmt Glasuren anders auf - rauher, matter, weniger gleichmäßig, was bei Hammershøi kein Fehler, sondern ein ästhetisches Ziel ist.
Die Glasur wird durch ein Engobierungsverfahren aufgetragen: Eine pigmentierte Schlickerschicht aus flüssigem Ton und Glasurbestandteilen wird auf den lederhart getrockneten Rohling aufgetragen, bevor das Stück in den Ofen kommt. Beim Brand verbindet sich die Engobe mit dem Grundkörper. Das Ergebnis ist eine samtige, leicht unregelmäßige Oberfläche, die je nach Lichteinfall minimal changiert. Kein zwei Stücke sehen exakt identisch aus - eine Eigenschaft, die in der Massenproduktion als Fehler gilt, bei Kähler aber als Qualitätsmerkmal kommuniziert wird.
Die horizontalen Rillen werden vor dem Glasieren von Hand in den Ton eingezogen. Das geschieht auf der rotierenden Töpferscheibe mit einem einfachen Werkzeug - ein Verfahren, das seit Jahrhunderten unverändert ist und das keine Maschine vollständig ersetzen kann. Die Gleichmäßigkeit der Rillen ist eine Fähigkeit, die sich der Handwerker über Jahre erarbeitet. Ein geübtes Auge erkennt handgezogene Rillen an ihrer minimalen Unregelmäßigkeit, die das Maschinenpendant nicht hat.
Wo Hammershøi im skandinavischen Zuhause wirkt
Hammershøi-Stücke sind keine Allzweck-Dekoration, die überall funktioniert. Sie sind auf Stille ausgelegt und brauchen Stille um sich. Vier Orte im Wohnraum zeigen das besonders deutlich.
Das Sideboard-Stillleben ist der klassische Kontext. Ein niedriges Sideboard aus geölter Eiche oder mattlackiertem MDF, drei Hammershøi-Vasen in verschiedenen Höhen - H15, H25, H34 - in Grau, Weiß und Anthrazit, dazwischen ein trockener Eukalyptuszweig oder ein Bündel getrockneter Pampasgras-Rispen: das ist das Bild, das in skandinavischen Interiormagazinen seit Jahren reproduziert wird. Es funktioniert, weil die Vasen weder miteinander konkurrieren noch mit dem Sideboard. Die horizontalen Rillen nehmen das Holzkorn des Möbels auf, ohne es zu imitieren.
Der Esstisch ist ein weiterer natürlicher Ort. Eine mittlere Hammershøi-Vase als Tischmittelpunkt - mit einem einzelnen Ast, einer getrockneten Dolde oder gar ohne Inhalt - hält die Tischdekorierung aus der Floskel-Zone heraus. Die matte Glasur reflektiert Kerzenlicht sanft und trägt zur Tischstimmung bei, ohne abzulenken.
Der Eingangsbereich ist der vielleicht wirksamste Ort. Eine einzelne große Hammershøi-Vase (H50 oder H75) auf dem Boden oder auf einem Flurtisch, ohne Inhalt, als reine Skulptur: das ist eine nordische Tradition des Willkommens, die keinen Blumenkranz und keine Saisondekorations-Kommerz benötigt. Der erste Eindruck eines Hauses braucht keine Erklärung - er braucht Form und Ruhe.
Das Bücherregal als Zwischenraum: Eine kleine Hammershøi-Vase (H10) zwischen Buchrücken auf einem Regalfach setzt einen Kontrapunkt. Die Keramik unterbricht die lineare Reihung der Bücher, ohne zu dominieren. Das ist eine alte Stilistenregel, die mit Hammershøi besonders gut funktioniert, weil die schlanke Form wenig Platz braucht und die matte Glasur sich mit nahezu jeder Rückwandfarbe verträgt.
Hammershøi im Vergleich zu &Tradition Collect und Muuto-Geschirr
Wer zeitgenössische skandinavische Keramik und Steinzeug-Accessoires kauft, begegnet neben Kähler regelmäßig zwei anderen Referenzpunkten: der Collect-Vase von &Tradition und dem Keramikgeschirr aus dem Muuto-Programm.
Die Collect-Vase, seit 2018 Teil des &Tradition-Sortiments, wurde von verschiedenen Designern in Zusammenarbeit mit Keramik-Manufakturen entworfen und teilt mit Hammershøi das Interesse an feiner Oberflächenstruktur und gedeckter Farbe. Wo Hammershøi auf die horizontale Rille als Signaturelement setzt, experimentiert Collect je nach Edition mit anderen Texturen - Längsrippen, gerautem Ton, transparenten Glasuren. Beide Serien kosten ähnlich und sprechen ähnliche Käufer an; der Unterschied liegt in der Manufakturstory: Kähler steht für 185 Jahre Kontinuität, &Tradition für zeitgenössische Kollaborationen ohne festes Eigenarchiv.
Muutos Keramikgeschirr dagegen ist kein direkter Konkurrent: Muuto versteht Keramik als Teil eines breiteren Möbel- und Accessoire-Programms, nicht als eigenständiges Manufaktur-Erbe. Die Überschneidung liegt eher bei der Käufergruppe als beim Produkt selbst. Wer ein Muuto-Esszimmer einrichtet und Keramik sucht, die zu Fiber Chair und 70/70 Tisch passt, wird bei Hammershøi fündig - die Materialsprachen ergänzen sich, ohne zu konkurrieren.
Pflege von matter Glasur und Patina
Matter Steinzeug verträgt keine Behandlung wie Hochglanzporzellan. Das wichtigste Grundprinzip: Scheuerschwämme, Stahlwolle und aggressive Reiniger sind tabu. Die matte Glasur ist zwar kratzfest gegenüber normaler Berührung, aber empfindlich gegen abrasive Materialien, die die Oberfläche aufrauen oder stellenweise ausdünnen können.
Im Alltag genügt ein weiches, feuchtes Tuch. Kalkflecken vom Leitungswasser lassen sich mit einem mit Zitronensaft angefeuchteten Tuch entfernen - mild säurehaltig, ohne Rückstände. Fettige Rückstände von Blumenstängeln nehmen ein paar Tropfen Spülmittel auf, abgespült mit klarem Wasser.
Kähler gibt an, dass die meisten Hammershøi-Stücke aus Steinzeug bis 60 Grad spülmaschinengeeignet sind. In der Praxis empfehlen Keramikerinnen und Händler trotzdem die Handwäsche: Der Druckstrahl im Spüler greift die Glasur über Jahre minimal an, und die thermischen Wechsel im Spülprogramm können bei älteren oder sehr feinen Stücken Mikrorisse begünstigen. Wer seine Stücke als langfristige Investition in Wohnqualität versteht, wäscht sie von Hand - ein Ritual, das zu den Objekten passt.
Eine weitere Besonderheit: Matte Glasur entwickelt über die Jahre eine leichte Patina. Stellen, die oft angefasst werden, nehmen die Hautfette auf und werden über Jahre minimal heller. Das ist kein Schaden, sondern die charakteristische Alterung von handwerklicher Keramik - vergleichbar der Patina von geöltem Holz oder gegerbtem Leder. Sie macht jedes Stück zu einem einmaligen Objekt.
Lena Berger
Redakteurin und Innenarchitektin aus Hamburg. Schreibt seit 2014 über nordisches Design - früher für die deutsche Ausgabe von Wallpaper* und AD, heute für inwohn. Hat alle hier portraitierten Marken in Werkstätten und Studios in Kopenhagen, Helsinki und Oslo besucht.
Häufige Fragen zu Hammershøi und Kähler
Wer hat die Hammershøi-Serie entworfen?
Die Hammershøi-Serie wurde 2014 von Hans-Christian Bauer in enger Zusammenarbeit mit der Designabteilung von Kähler entworfen. Bauer ließ sich von der gedämpften Farbpalette und der stillen Atmosphäre des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi inspirieren.
Wer war Vilhelm Hammershøi?
Vilhelm Hammershøi (1864-1916) war ein dänischer Maler aus Kopenhagen, der vor allem für seine Interiorgemälde bekannt ist. Seine Bilder zeigen leere oder spärlich möblierte Räume in gedämpftem, seitlich einfallendem Licht - eine stille, fast meditative Atmosphäre, die ihn zu einem der bedeutendsten nordischen Realisten macht.
Wie heißt der Hersteller hinter Hammershøi?
Der Hersteller ist Kähler Design, eine dänische Keramikmanufaktur mit Ursprung in Næstved auf Seeland. Kähler wurde 1839 von Herman J. Kähler gegründet und gehört seit 2017 zur Rosendahl Design Group.
Seit wann gibt es Kähler?
Kähler wurde 1839 in Næstved, Süd-Seeland, Dänemark gegründet - damit ist die Marke eine der ältesten noch aktiven Keramikmanufakturen Skandinaviens. Die Hammershøi-Serie selbst wurde erst 2014 eingeführt, steht aber in der handwerklichen Tradition des gesamten Hauses.
Welche Farben hat die Hammershøi-Serie?
Die Hammershøi-Serie ist in einer zurückhaltenden Palette erhältlich: Grau, Anthrazit, Weiß (Creme), Rosé, Marsala (rot-braun), Mocca, Mokka und Schwarz. Alle Töne sind matt glasiert und unterstreichen den kontemplativen Charakter der Serie.
Was kostet eine Hammershøi-Vase?
Die Preise variieren je nach Größe. Kleine Hammershøi-Vasen (10-15 cm) kosten etwa 30 bis 50 Euro. Mittlere Größen (25-40 cm) liegen bei 80 bis 150 Euro. Große Stücke ab 60 cm Höhe können 200 bis 400 Euro kosten. Lichthäuser und Urnen sind ebenfalls im gehobenen Preissegment angesiedelt.
Was ist ein Hammershøi-Lichthaus?
Das Hammershøi-Lichthaus ist ein Keramikgefäß in Laternenform mit einer Öffnung oder einem Deckel, in das eine Kerze oder ein LED-Teelicht gestellt wird. Das matte Steinzeug filtert das Licht weich und erzeugt eine warme, gedämpfte Atmosphäre - typisch für den Hammershøi-Markenkern.
Wie pflegt man matte Glasur?
Matte Glasur sollte mit einem weichen, feuchten Tuch abgewischt werden. Scheuerschwämme und aggressive Reinigungsmittel sind zu vermeiden, da sie die Oberfläche mattieren oder verkratzen können. Fettige Rückstände lassen sich mit mildem Spülmittel entfernen. Für den Alltag gilt: Handwäsche ist erste Wahl.
Sind Hammershøi-Stücke spülmaschinengeeignet?
Die meisten Hammershøi-Stücke aus Steinzeug sind technisch bis 60 Grad spülmaschinengeeignet, Kähler empfiehlt jedoch ausdrücklich die Handwäsche. Dauerhafter Spülmaschinenbetrieb kann die matte Glasur langfristig verändern und das Erscheinungsbild beeinträchtigen.
Wo werden Hammershøi-Stücke produziert?
Die Steinzeug-Fertigung erfolgt in einer Manufaktur in Polen; die Endveredelung, Qualitätskontrolle und das Branding sind in Dänemark angesiedelt. Der historische Produktionsstandort in Næstved wurde 2016 geschlossen. Seit 2024 betreibt Kähler eine neue Werkstatt in Hjørring, Nordjütland, die Teile der handwerklichen Tradition wieder aufnimmt.
Welche Größen gibt es bei Hammershøi-Vasen?
Die Hammershøi-Vasenserie umfasst Größen von etwa 10 cm bis 75 cm Höhe. Häufig angebotene Höhen sind H10, H15, H20, H25, H34, H50 und H75. Kleinere Vasen eignen sich für einzelne Zweige oder Trockenblumen, die großen Stücke werden als Boden-Skulpturen eingesetzt.
Was bedeuten die Rillen auf den Vasen?
Die charakteristischen horizontalen Rillen auf Hammershøi-Vasen werden von Hand in den noch weichen Ton eingezogen, bevor das Stück gebrannt wird. Sie sind ein bewusstes Gestaltungsmittel: Die feinen Linien betonen die Vertikalität der Vase, fangen Licht und Schatten ein und geben der glatten Glasur eine taktile Qualität.
Wo finde ich Hammershøi in Deutschland?
Kähler-Produkte sind in Deutschland über designaffine Einrichtungshäuser, gehobene Gartencenter und Online-Händler erhältlich. Größere Städte wie Hamburg, München, Berlin und Köln haben Fachhandelspartner. Der direkte Online-Kauf ist über den internationalen Kähler-Webshop möglich.
Gibt es Hammershøi-Limited-Editions?
Kähler veröffentlicht regelmäßig Limited-Edition-Farben und Sonderstücke der Hammershøi-Serie, oft zur Weihnachtszeit oder zu Designmessen. Vergangene Editionen umfassten seltene Farbtöne wie ein tiefes Petrolblau oder ein mattes Salbeigrün. Diese Stücke sind meist nur für eine Saison verfügbar.
Was ist der Unterschied zwischen Hammershøi und Omaggio?
Beide sind Kähler-Vasen-Serien aus matter Steinzeug-Glasur, unterscheiden sich aber im Designprinzip. Hammershøi arbeitet mit horizontalen Rillen und einer klaren, zylindrischen Silhouette. Omaggio, entworfen von Karen Kjældgård-Larsen, zeigt geschwungene vertikale Streifen in zwei Farben auf einer organischeren Vasenform. Hammershøi wirkt kühler und architektonischer, Omaggio wärmer und malerischer.
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