Flos ist die Marke, die man in keiner Liste skandinavischer Einrichtung erwarten würde - und die man dennoch in jedem zweiten nordischen Wohnzimmer findet. Der geschwungene Bogen des Arco über dem Sofa, die Parentesi-Schiene am Schlafzimmerfenster, eine Bellhop auf dem Gartentisch beim Abendessen: Flos-Leuchten reisen leicht und klingen schwer. Sie kommen aus dem Norden Italiens, aber sie sprechen die Sprache des nordischen Interieurs mit einem Akzent, der seit den 1960er-Jahren nicht aufgehört hat zu begeistern.

Flos auf einen Blick

Wie eine italienische Leuchte zum Maß für skandinavische Räume wurde

Die Geschichte von Flos beginnt 1962 in einer Kleinstadt, die man mit Lichtdesign nicht sofort verbindet. Merano, ein Kurort in Südtirol, war der Geburtsort der Marke, gegründet von drei Männern mit sehr unterschiedlichen Hintergründen: Dino Gavina, einem umtriebigen Möbelproduzenten aus Bologna, Cesare Cassina, Mitglied der Mailänder Möbeldynastie Cassina, und Arturo Eisenkeil, einem österreichisch-stämmigen Unternehmer. Das gemeinsame Projekt war die gewerbliche Produktion eines neuen Kunstharzmaterials namens Cocoon, das von der amerikanischen Chemiefirma Union Carbide entwickelt worden war und es ermöglichte, Lampenschirme durch Aufsprühen zu formen.

Bereits die erste Kollektion war spektakulär. Tobia Scarpa entwarf 1962 die Fantasma und die Gatto-Leuchte, weiche Kokons aus Cocoon-Material, die das Licht gleichmäßig und warm diffuzierten. Parallel dazu erschienen die ersten Entwürfe von Achille und Pier Giacomo Castiglioni, die eine völlig andere Ästhetik einbrachten: sachlich, analytisch, getrieben von der Frage, was eine Leuchte wirklich braucht, um zu funktionieren.

Doch schon 1964 wandelte sich die Eigentümerstruktur grundlegend. Sergio Gandini, ein Ingenieur aus Brescia, übernahm die operative Führung der Marke und verlegte die Produktion in sein Heimatstädtchen Bovezzo, wenige Kilometer nördlich von Brescia. Gandini war kein Designer, aber er hatte ein außergewöhnliches Gespür für Designers und deren Potenzial. Er verstand, dass Flos kein Hersteller von Lichtquellen war, sondern ein Verleger von Lichtideen - ähnlich wie ein Buchverlag nicht selbst schreibt, aber entscheidet, welche Stimmen es wert sind, gehört zu werden.

Unter Gandinis Führung wurden die Castiglionis zu prägenden Stimmen der Marke. Arco, Taccia, Toio und Snoopy entstanden alle zwischen 1962 und 1967 und definierten, was Flos sein würde: eine Bühne für Ideen, die den Leuchtenmarkt herausfordern. Der Arco fragte, ob man eine Stehleuchte über den Tisch braucht, wenn man doch keine Deckenleuchte bohren will - und antwortete mit einer dreistufigen Bogenkonstruktion aus poliertem Stahl über einem Marmorblock, der als Gegengewicht dient. Die Taccia fragte, ob ein Lampenschirm aus Metall und Glas nicht selbst ein skulpturales Objekt sein kann, das auch ohne eingeschaltetes Licht im Raum steht. Der Toio fragte, ob ein umgedrehter Autoscheinwerfer nicht auch eine elegante Stehleuchte sein kann.

Bis in die 1980er-Jahre blieb Flos eine von wenigen Personen geführte, aber international beachtete Marke. Philippe Starck arbeitete mit Flos zusammen, ebenso Gino Sarfatti, dessen Kronleuchter 2097 - ursprünglich 1958 entworfen und 2012 als Re-Edition wieder aufgelegt - heute zu den begehrtesten Stücken in der gesamten Kollektion zählt. 1997 wurde Flos von der Investmentgesellschaft B&B Italia-Gruppe übernommen, bevor sie 2018 zu Investindustrial wechselte, einer Mailänder Private-Equity-Gruppe, die auch Louis Poulsen in ihrem Portfolio hält. Trotz der Eigentumsveränderungen blieb die Designidentität erhalten - und das Werk in Bovezzo produziert noch immer an denselben Maschinen wie in den 1970er-Jahren.

Für skandinavische Innenarchitekten und Einrichter hat Flos eine besondere Bedeutung entwickelt. Die Schlichtheit der Materialien - polierter Stahl, Carrara-Marmor, mundgeblasenes Glas - spricht dieselbe Sprache wie nordisches Design, ohne dessen Zurückhaltung zu teilen. Flos-Leuchten setzen einen Kontrapunkt: Sie sind Hauptdarsteller in einem Raum, nicht Hintergrundbeleuchtung.

Designphilosophie: Licht als sichtbares Objekt

Der entscheidende Unterschied zwischen Flos und den meisten anderen Lichtmarken liegt in einer konzeptuellen Grundentscheidung: Flos behandelt die Leuchte als eigenständiges Objekt, nicht als Träger einer Lichtfunktion. Eine Flos-Leuchte soll auch dann im Raum stehen oder hängen, wenn sie ausgeschaltet ist. Sie ist kein Werkzeug, das verschwindet, wenn man es nicht braucht - sie ist eine skulpturale Präsenz, die den Raum auch bei Tageslicht mitformt.

Diese Haltung geht direkt auf Achille Castiglioni zurück, der für Flos arbeitete, wie andere Künstler für ein Atelier arbeiten. Seine Methode war die sogenannte Redesign-Philosophie: statt etwas neu zu erfinden, nahm er vorhandene Objekte und verstand, welche von ihnen bereits eine Leuchte in sich trugen. Der Toio ist ein Autoscheinwerfer auf einem Stab. Die Parentesi ist eine Schiene mit einem verschiebbaren Strahler - minimaler als ein Spotlicht an der Decke, aber durch die vertikale Spannung von Boden bis Decke auch dramatischer. Castiglioni entwarf nicht, um Probleme zu lösen, sondern um Fragen zu stellen.

Diese Fragehaltung zieht sich durch die gesamte Flos-Geschichte. Michael Anastassiades fragte mit den IC Lights (2014), welche Form entsteht, wenn man einen perfekten Stab mit einer perfekten Kugel verbindet, und nichts anderes tut. Jasper Morrison fragte mit der Glo-Ball (1998), wie eine Leuchte aussieht, die so einfach wie möglich ist - ein weißes Glas, nichts sonst. Edward Barber und Jay Osgerby fragten mit dem Bellhop (2017), was passiert, wenn eine Leuchte keinen Stromanschluss mehr braucht.

Das Resultat ist ein Katalog, der weniger nach Kategorien als nach Fragen geordnet ist. Wer bei Flos kauft, kauft immer eine Haltung mit - und diese Haltung ist: Licht ist nicht selbstverständlich, und die Leuchte, die es trägt, auch nicht.

Wichtige Leuchten im Überblick

Arco (Achille und Pier Giacomo Castiglioni, 1962)

Der Arco ist die wohl bekannteste Stehleuchte der Designgeschichte. Ein dreistufiger Bogen aus poliertem Stahl, der sich über fast zweieinhalb Meter erstreckt und am Ende eine drehbare Reflektorschale trägt - und als Gegengewicht ein massiver Carrara-Marmorblock am Fuß, der durch ein Loch in der Mitte getragen werden kann. Die Idee war banal und brillant zugleich: Wer über einem Esstisch eine direkte Lichtquelle haben will, ohne in die Decke zu bohren, der braucht eine Leuchte, die vom Boden aus in den Raum hineinragt. Der Arco hat diese Aufgabe seit 1962 in Millionen von Wohnungen, Restaurants und Showrooms gelöst. Er kostet heute etwa 3.500 Euro im Fachhandel, wird aber seit über sechs Jahrzehnten ohne Formveränderung produziert - einer der wenigen Fälle, in denen ein Preis dieser Höhe für ein Serienprodukt vollständig gerechtfertigt ist.

Taccia (Achille und Pier Giacomo Castiglioni, 1962)

Die Taccia ist eine Tischleuchte und gleichzeitig ein Argument. Ihr Körper besteht aus einer Edelstahlschale, die als Reflektor dient, und einem aufgesetzten, mundgeblasenen Glasschirm, der das Licht nach oben und zur Seite streut. Die Geometrie ist ungewöhnlich: eine flache Schale unten, eine weite Halbkugel oben, dazwischen ein sichtbarer Stab. Auf einem Couchtisch oder einem Sideboard ist die Taccia eine Skulptur. Eingeschaltet füllt sie einen mittelgroßen Raum mit warmem, diffusem Licht aus. Die LED-Version des 21. Jahrhunderts hat den Dimmer eingebaut und die Wärmeentwicklung reduziert. Im Fachhandel kostet sie je nach Ausführung zwischen 1.500 und 3.000 Euro.

Toio (Achille und Pier Giacomo Castiglioni, 1962)

Der Toio besteht aus einem Autoscheinwerfer, einem Transformator und einem Stahlrohr - mehr nicht. Die Castiglionis nahmen einen Fiat-Scheinwerfer, drehten ihn um, montierten ihn auf ein höhenverstellbares Rohr und schalteten einen Halogentransformator ein. Das Ergebnis ist eine Stehleuchte, die nach oben strahlt und Decken aktiviert, statt direkt zu beleuchten. Der Toio ist das direkteste Beispiel der Redesign-Philosophie Castiglionis: Kein Teil wurde neu entwickelt. Alles war schon da - man musste es nur in der richtigen Konstellation zusammensetzen.

Parentesi (Pio Manzù und Achille Castiglioni, 1971)

Die Parentesi ist eines der elegantesten Spannungskonzepte in der Lichtgeschichte. Ein Zugseil aus Stahl läuft vom Boden bis zur Decke und hält durch die Spannung eines Bodendübels und eines Deckenhalters die Form. Auf diesem Seil gleitet ein zylindrischer Strahler, den man auf jede gewünschte Höhe schieben und dort fixieren kann. Pio Manzù, der jung verstorbene Industriedesigner und Sohn des Bildhauers Giacomo Manzù, hatte das Konzept entwickelt; Achille Castiglioni vollendete es nach Manzùs Tod im Jahr 1969. Die Parentesi kostet heute zwischen 350 und 500 Euro und ist eine der günstigsten Einstiegsleuchten im Flos-Programm, gleichzeitig aber eine der visuell wirkungsvollsten. Sie braucht keine Befestigung in der Wand, nur eine freie Strecke von Boden bis Decke - ideal für Mietwohnungen.

Snoopy (Achille und Pier Giacomo Castiglioni, 1967)

Der Snoopy ist benannt nach der Comicfigur von Charles Schulz - und tatsächlich erinnert die Silhouette an einen liegenden Hund: ein flacher, ovaler Glasschirm auf einem kurzen, weißen Marmorblock. Die Leuchte steht auf einem Tisch oder Sideboard und gibt ihr Licht nach unten und zur Seite ab - diskret, warm, präzise. Sie ist kleiner als Arco oder Taccia, aber in Räumen, die eine ruhige, präzise Lichtgeste suchen, oft die richtigere Wahl.

Bellhop (Edward Barber und Jay Osgerby, 2017)

Der Bellhop ist die erste Flos-Leuchte, die man mitnehmen kann. Edward Barber und Jay Osgerby, die britischen Designer hinter dem Sessel Tab und zahlreichen Londoner Innenrauminstallationen, entwickelten eine zylindrische Tischleuchte mit Lithium-Ionen-Akku, Touch-Dimmer und USB-C-Ladeanschluss. Der Name leitet sich vom Hotelboy ab - einer Figur, die immer in Bewegung ist. Der Bellhop kostet in der Tischversion zwischen 250 und 350 Euro, läuft auf einem vollen Akku etwa acht Stunden im gedimmten Modus und ist in vielen Farben erhältlich. Die Outdoor-Version ist nach IP65 zertifiziert und damit regen- und staubgeschützt. Auf skandinavischen Terrassen und Gartentischen ist der Bellhop heute so verbreitet wie die PH 5 über dem dänischen Esstisch.

String Lights (Michael Anastassiades, 2014)

Michael Anastassiades, der zyprisch-britische Designer, entwarf die String Lights als radikale Reduktion des Pendellichts. Ein feines Kabel läuft von der Decke bis zu einer kleinen, nackten Lichtquelle am Ende - einer Birne in Glühlampenform oder einer kleinen Scheibe. Das Kabel ist nicht versteckt, sondern Bestandteil des Entwurfs. Die String Lights können mehrfach über einen Raum gespannt werden und ergeben damit ein Netz aus Lichtpunkten, das die Raumgeometrie nachzeichnet. Im skandinavischen Wohnzimmer mit hohen Decken und hellen Wänden ist das eine der wirkungsvollsten Lichtlösungen überhaupt.

IC Lights (Michael Anastassiades, 2014)

Parallel zu den String Lights entwarf Anastassiades die IC Lights - eine Familie, die auf zwei Formen basiert: einem perfekten Stab und einer perfekten Kugel. Der Stab trägt die Kugel, die Kugel trägt die Lichtquelle. In der Tischversion, der Pendelversion, der Wandversion und der Stehversion folgt jedes Stück derselben geometrischen Logik. Das Ergebnis ist eine Leuchten-Kollektion, die trotz ihrer Einfachheit in jedem Raum anders wirkt - je nachdem, in welcher Konstellation und Häufung man sie einsetzt. Die IC Pendant S ist eine der häufigsten Pendel-Empfehlungen im gehobenen Fachhandel für Küchen und Essbereiche.

2097 (Gino Sarfatti 1958, Re-Edition 2012)

Der 2097 ist der ikonischste Kronleuchter aus der Sammlung von Gino Sarfatti, dem Gründer der Marke Arteluce, die später von Flos übernommen wurde. Das Original von 1958 besteht aus einem zentralen Ring oder einer Kugel, aus der sich bis zu 50 Metallarme strecken, jeder mit einer kleinen Glühbirne oder LED. Das Resultat ist weniger eine Leuchte als eine Lichtskulptur: Bei eingeschaltetem Licht funkelt der 2097 wie ein Sternenhimmel, bei ausgeschaltetem Licht hängt er wie eine abstrakte Skulptur im Raum. Flos hat ihn 2012 als Re-Edition wieder aufgelegt, originalgetreu in Form, aber mit moderner LED-Bestückung. Er ist in Durchmessern von 42 bis 80 Zentimetern erhältlich und kostet zwischen 1.200 und 3.500 Euro.

Glo-Ball (Jasper Morrison, 1998)

Jasper Morrison ist bekannt für seine Theorie des Super-Normal - Objekte, die so vertraut und selbstverständlich wirken, dass man sie kaum als Design wahrnimmt. Die Glo-Ball ist das konsequenteste Beispiel dieser Theorie im Bereich Beleuchtung: eine matte, weißgeblasene Glaskugel, nichts sonst. Keine Halterung, die auffällt. Kein Kabel, das inszeniert wird. Einfach eine leuchtende weiße Kugel - als Tischleuchte, Pendelleuchte oder Bodenleuchte erhältlich. Ihre Stärke ist, dass sie sich in jeden Raum einfügt, ohne ihn zu dominieren. Sie wirkt wärmer als ein Spot und weicher als eine Schirmleuchte und kostet je nach Version zwischen 350 und 800 Euro.

Die Designer hinter Flos

Kein anderer Leuchtenhersteller der Welt hat eine so dichte Konstellation von Designern aufgebaut wie Flos. Das beginnt mit den Gründern der modernen Designsprache und reicht bis zu zeitgenössischen Büros, die heute die relevantesten Arbeiten im Bereich Licht produzieren.

Achille und Pier Giacomo Castiglioni sind das Fundament von Flos. Die Brüder aus Mailand arbeiteten gemeinsam, bis Pier Giacomo 1968 starb, danach arbeitete Achille bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 2002 weiter für Flos. Ihre Methode - Alltagsobjekte neu kontextualisieren, Funktion zur Form machen, den Nutzer zum Mitdenken einladen - hat mehr Einfluss auf das globale Lichtdesign des 20. Jahrhunderts gehabt als jedes andere Designstudio.

Pio Manzù war ein junges Ausnahmetalent, das mit 30 Jahren bei einem Autounfall starb. Seine Parentesi, gemeinsam mit Achille Castiglioni fertiggestellt, ist das Zeugnis eines analytischen Geistes, der in wenigen Jahren mehr hinterließ als mancher Designer in einem ganzen Leben.

Tobia Scarpa, Sohn des Architekten Carlo Scarpa, entwarf bereits in der ersten Flos-Kollektion 1962 die Gatto- und Fantasma-Leuchten und setzte damit einen organischen Gegenpol zu Castiglionis analytischer Sachlichkeit.

Gino Sarfatti war der Gründer von Arteluce, der wichtigsten Lichtmarke des italienischen Nachkriegsdesigns. Als Flos Arteluce übernahm, kamen Sarfattis Entwürfe - darunter der 2097 - in das Flos-Portfolio. Sarfatti ist heute zu Recht als einer der wichtigsten Lichtdesigner des 20. Jahrhunderts anerkannt.

Philippe Starck arbeitete in den 1980er- und 1990er-Jahren intensiv mit Flos und entwarf unter anderem die Miss K, eine transparente Tischleuchte aus thermoplastischem Kunststoff, die Design demokratisieren wollte.

Marcel Wanders brachte in den 2000er-Jahren eine barocke Üppigkeit in das Programm, die zu Flos' sonst sachlicher Palette einen reizvollen Kontrast bildete.

Michael Anastassiades ist heute der produktivste Flos-Designer. Seine IC Lights und String Lights sind in der Häufigkeit, mit der sie in Architektur- und Designpublikationen auftauchen, mit Castiglionis Klassikern vergleichbar.

Edward Barber und Jay Osgerby sind die britischen Designer, die mit dem Bellhop eine neue Kategorie - akkubetriebene Premiumleuchte - für Flos erschlossen haben.

Konstantin Grcic entwarf die Serena und verschiedene Kelvin-Varianten und steht für eine industrielle Präzision, die das Flos-Portfolio um eine technologisch offene Dimension erweitert. Weitere prägende Namen im aktuellen Roster: Patricia Urquiola (Tatou, Spun), Antonio Citterio (Kelvin LED), Jasper Morrison (Glo-Ball), Foster + Partners (mehrere Architekturleuchten) sowie Ronan und Erwan Bouroullec.

Materialien und Lichttechnik

Flos arbeitet mit einem klar definierten Materialkanon, der seit den 1960er-Jahren weitgehend stabil geblieben ist. Das ist keine Nostalgie, sondern eine Qualitätsentscheidung: Die Materialien, die damals für Arco und Taccia gewählt wurden, sind heute noch immer die besten für das, was diese Leuchten leisten sollen.

Aluminium-Druckguss ist das Basis-Konstruktionsmaterial für Gehäuse, Arme und Verbindungselemente. Flos setzt auf eloxierten Aluminiumguss, der besonders korrosionsbeständig ist und in Oberflächen von mattem Schwarz über Silbergrau bis zu weißen und farbigen Varianten lieferbar ist.

Carrara-Marmor kommt beim Arco, bei der Taccia und beim Snoopy als Sockel- und Gegengewichtsmaterial zum Einsatz. Die weiß-graue Äderung des Carrara-Marmors ist ein visuelles Erkennungszeichen der Marke. Das Material ist hart, schwer und mäßig empfindlich gegenüber Säuren - weshalb die Pflege mit neutralen Reinigern essenziell ist.

Mundgeblasenes Borosilikatglas ist das Markenzeichen der Taccia und der Glo-Ball. Borosilikat ist hitzebeständig, klar und leicht zu formen. Das Mundblasverfahren erzeugt eine leichte Unregelmäßigkeit in der Wandstärke, die maschinell hergestelltes Glas nicht nachahmen kann - und die dafür sorgt, dass jedes Exemplar minimal anders leuchtet.

Polierter Edelstahl kommt im Arco-Bogen und in verschiedenen Gelenken und Stäben zum Einsatz. Hochglanzpolierter Stahl reflektiert das Umgebungslicht und wirkt dadurch leichter, als er ist - ein entscheidender gestalterischer Vorteil bei einer Konstruktion von mehr als zweieinhalb Metern Länge.

Bei der LED-Technologie setzt Flos seit etwa 2012 konsequent auf eigene, für das jeweilige Produkt entwickelte Leuchtmittellösungen. Die zweite Generation der Flos-LED-Systeme, eingeführt ab 2018, ermöglicht ein Farbtemperatur-Spektrum von 2.700 bis 3.000 Kelvin und erreicht Dimmgrade von einem bis hundert Prozent ohne Flimmern. LED-Treiber und Leuchtmittel sind als Ersatzteile bestellbar und damit im Prinzip unbegrenzt wartbar.

Wo Flos im skandinavischen Raum wirkt

Flos-Leuchten und skandinavische Interieurs verbindet eine tiefe strukturelle Verwandtschaft, auch wenn die geografischen Ursprünge unterschiedlich sind. Beide Traditionen teilen eine Vorliebe für reduzierte Formensprachen, hochwertige Einzelmaterialien und Objekte, die durch ihre Präzision Qualität signalisieren statt durch Dekoration.

Das Esszimmer ist der natürlichste Ort für den Arco oder eine IC Lights Pendel. In nordischen Wohnungen ohne abgehängte Decke und mit hohen Fensterflügeln ist der Arco oft die einzige Möglichkeit, direktes Licht über den Tisch zu bringen, ohne zu bohren. Sein polierter Stahl und der Marmorblock bilden einen reizvollen Kontrast zu Eichenholztischen und Wolltextilien.

Das Wohnzimmer und die Lounge sind das Territorium der Taccia. Auf einem niedrigen Sideboard oder einem Couchtisch platziert, füllt sie einen mittelgroßen Raum mit warmem, indirektem Licht, das von der Decke reflektiert wird und die Raumstimmung auf Abend einstellt. In Kombination mit einer String Lights, die locker über die Decke gespannt ist, ergibt das eine Lichtkomposition, die sich ohne großen Aufwand verändern lässt.

Die mobile Leuchte ist der Bereich, in dem der Bellhop unschlagbar ist. Auf dem Gartentisch, beim Picknick, auf der Terrasse eines Sommerhauses in Schweden oder Dänemark - eine akkubetriebene Leuchte, die nach Stunden noch leuchtet und sich mit einem USB-C-Kabel aufladen lässt, hat in nordischen Sommernächten eine eigene Magie. Die Parentesi wiederum ist ideal für Mietwohnungen: Keine Bohrungen, kein Eingriff in die Substanz - und trotzdem eine Lichtlösung, die einem Raum Charakter gibt.

Flos im Vergleich zu Louis Poulsen und Muuto

Der Vergleich zwischen Flos und Louis Poulsen ist einer der häufigsten im gehobenen Lichtfachhandel, und er ist aufschlussreich. Louis Poulsen kommt aus einer Ingenieurstradition: Poul Henningsens Reflexionsgeometrie, die er für die PH-Leuchten entwickelt hat, war primär ein wissenschaftliches Projekt - wie lässt sich Blendfreiheit durch Schirmgeometrie erreichen? Die Formgebung der PH-Schirme ist eine Konsequenz dieser Gleichung, nicht ihr Ausgangspunkt.

Flos kommt aus dem entgegengesetzten Impuls: Zuerst die Form, dann die Funktion. Castiglioni fragte nicht, wie er Blendung vermeiden kann - er fragte, was eine Leuchte ist, wenn man alle Konventionen beiseitelässt. Das Ergebnis sind Formen, die oft expressiver und herausfordernder sind als die technisch optimierten Konstruktionen aus Kopenhagen.

Im Vergleich mit Muuto ist der Unterschied ebenso klar: Muuto baut Leuchten als Teil eines Gesamtprogramms aus Möbeln und Wohnaccessoires - die Leuchten sind im Muuto-Universum wichtige Elemente, aber Teil eines Ensembles. Flos ist ausschließlich Licht. Das gesamte Know-how, alle Materialien, alle Kooperationen drehen sich um eine einzige Frage: Wie bringt man Licht in einen Raum? Das führt zu einer Tiefe und Spezialisierung, die in einem Vollsortimentsprogramm schwer zu erreichen ist.

Es sei auch erwähnt, dass Flos und Louis Poulsen seit 2018 zur selben Holding Investindustrial gehören. Das hat bislang keine sichtbaren Auswirkungen auf die Designphilosophie beider Marken gehabt - sie operieren vollständig unabhängig voneinander und konkurrieren weiterhin im selben Marktsegment.

Pflege und Lebensdauer

Flos-Leuchten sind so gebaut, dass sie Jahrzehnte überdauern - vorausgesetzt, man behandelt sie entsprechend. Die klassischen Komponenten sind dabei am anspruchsvollsten.

Der Carrara-Marmor bei Arco, Taccia und Snoopy reagiert empfindlich auf Säuren. Essig, Zitronensäure und alle handelsüblichen Kalk- und Reinigungssprays sind tabu. Die richtige Pflege: ein nebelfeuchtes Tuch ohne Zusätze, einmal jährlich eine Behandlung mit einem neutralen Marmor-Imprägniermittel, das die poröse Oberfläche vor Flüssigkeiten schützt. Bei stärkeren Verunreinigungen hilft ein Marmorreiniger mit pH-Wert zwischen 6 und 8.

Das mundgeblasene Glas der Taccia und Glo-Ball verträgt keine abrasiven Schwämme oder Scheuermittel - die Oberfläche ist mattiert und würde durch Kratzer ihr Lichtdiffusionsvermögen verlieren. Ein weiches Mikrofasertuch, trocken oder leicht feucht, ist ausreichend.

Der LED-Treiber ist das Bauteil mit der kürzesten Lebensdauer in modernen Flos-Leuchten. Er hält im Durchschnitt 15.000 bis 25.000 Betriebsstunden, was bei vier Stunden täglichem Betrieb etwa zehn bis siebzehn Jahren entspricht. Ersatztreiber sind über den autorisierten Fachhandel oder direkt bei Flos bestellbar. Das Leuchtmittel selbst - die LED - überdauert in der Regel den Treiber. Originale Leuchtmittel von Flos zu verwenden ist empfehlenswert, da Dritthersteller-Produkte häufig andere Farbtemperaturen haben und das optische Ergebnis verändern.

Strukturelle Flos-Produkte - der Stahlbogen des Arco, die Gehäuse der Taccia, die Seile der Parentesi - sind auf praktisch unbegrenzte Lebensdauer ausgelegt. Das Zugseil der Parentesi sollte alle fünf bis sieben Jahre überprüft und bei sichtbarem Verschleiß getauscht werden; Ersatzseile sind beim Hersteller erhältlich.

Lena Berger

Redakteurin und Innenarchitektin aus Hamburg. Schreibt seit 2014 über nordisches Design - früher für die deutsche Ausgabe von Wallpaper* und AD, heute für inwohn. Hat alle hier portraitierten Marken in Werkstätten und Studios in Kopenhagen, Helsinki und Oslo besucht.

Innenarchitektur HFG BDIA-Mitglied Seit 2014

Häufige Fragen zu Flos

Wer hat Flos gegründet?

Flos wurde 1962 in Merano (Südtirol) von Dino Gavina, Cesare Cassina und Arturo Eisenkeil gegründet. Ab 1964 übernahm Sergio Gandini die Führung und prägte die Marke über Jahrzehnte. Unter Gandini entstanden die prägendsten Kooperationen mit Achille und Pier Giacomo Castiglioni, die Flos zu einer der wichtigsten Lichtmarken Europas machten.

Wo wird Flos produziert?

Flos produziert seit 1964 in Bovezzo bei Brescia in der Lombardei. Das Werk verbindet Aluminium-Druckguss, Glasverarbeitung und elektronische Montage unter einem Dach. Hochwertige Komponenten wie mundgeblasenes Borosilikatglas werden von spezialisierten Glashütten in der Veneto-Region geliefert.

Welche Leuchte ist Flos' Bestseller?

Gemessen an der kumulierten Auflage seit 1962 ist der Arco der bekannteste Flos-Klassiker. Heute zählt die Bellhop-Serie von Edward Barber und Jay Osgerby (2017) zu den meistverkauften Produkten, da sie durch ihre akkubetriebene Mobilität ein völlig neues Nutzungsszenario erschlossen hat. Die Parentesi bleibt die meistempfohlene Vertikallösung im Fachhandel.

Was bedeutet der Name Flos?

Flos ist das lateinische Wort für Blume oder Blüte. Der Name verweist auf organische Formen und die Verbindung von Natur und Technik, die viele frühe Flos-Leuchten kennzeichnet - etwa die pilzförmige Taccia oder die kugelrunde Glo-Ball.

Sind Castiglioni-Leuchten Original oder Re-Edition?

Die Castiglioni-Klassiker Arco, Taccia, Toio und Snoopy werden von Flos in ununterbrochener Produktion seit den 1960er-Jahren hergestellt - es sind also Originale, keine Re-Editionen. Lediglich die elektrischen Komponenten wurden im Laufe der Jahrzehnte an aktuelle Normen und LED-Technologie angepasst. Die Formgebung ist bis heute unverändert.

Was kostet eine Parentesi-Leuchte?

Die Parentesi kostet im autorisierten Fachhandel je nach Ausführung zwischen 350 und 500 Euro. Das günstigere Einstiegsmodell mit weißem Strahler und schwarzem Zugseil ist am weitesten verbreitet. Versionen mit Halogenstrahler oder besonderer Oberflächenbehandlung kosten mehr. Günstigere Angebote unter 300 Euro deuten auf Fälschungen hin.

Welche Flos-Pendel sind über dem Esstisch sinnvoll?

Über dem Esstisch eignen sich besonders die Tatou-Pendelleuchte, die IC Lights S von Michael Anastassiades oder mehrere String Lights in einer Reihe. Der 2097 Kronleuchter von Gino Sarfatti ist eine starke Wahl für hohe Decken. Wichtig: Die Unterkante der Leuchte sollte 65 bis 75 Zentimeter über der Tischplatte hängen.

Funktioniert eine Taccia auch im Schlafzimmer?

Ja, die Taccia funktioniert sehr gut als Nachttischleuchte in einem großzügigen Schlafzimmer. Ihre mundgeblasene Glasschale streut das Licht weich und blendfrei. Durch den Marmorsockel braucht sie eine stabile Ablagefläche von mindestens 30 mal 30 Zentimetern. Die LED-Version lässt sich dimmen, was sie ideal für Leselicht am Abend macht.

Wo finde ich offizielle Flos-Showrooms in Deutschland?

Flos ist in Deutschland über ausgewählte Fachhändler vertreten. Stilwerk Berlin zeigt eine breite Flos-Auswahl, ebenso mehrere Einrichtungsstudios an der Maximilianstraße in München. In Hamburg und Frankfurt führen designorientierte Lichtfachgeschäfte das aktuelle Sortiment. Eine vollständige Händlerliste findet sich auf flos.com unter Store Locator.

Welche Designer arbeiten heute für Flos?

Zum aktuellen Designernetzwerk von Flos gehören Michael Anastassiades (IC Lights, String Lights), Edward Barber und Jay Osgerby (Bellhop, Copycat), Konstantin Grcic (Serena, Kelvin), Patricia Urquiola (Tatou, Spun), Antonio Citterio (Kelvin LED) sowie Ronan und Erwan Bouroullec. Die Castiglioni-Klassiker werden weiterhin unverändert produziert.

Bietet Flos Outdoor-Beleuchtung an?

Ja, Flos hat eine umfangreiche Outdoor-Linie. Dazu gehören die Bolide-Leuchtenfamilie, der Ipnos Strahler und die Serena Outdoor-Variante. Alle Outdoor-Produkte sind nach IP65 oder höher zertifiziert und in Aluminium oder UV-beständigem Polycarbonat gefertigt. Die Bellhop Outdoor-Version ist akkubetrieben und damit auch für den Gartentisch geeignet.

Wie unterscheidet sich Flos von Louis Poulsen?

Louis Poulsen kommt aus der dänischen Ingenieurtradition - Poul Henningsens PH-Leuchten sind auf technisch blendfreies Licht optimiert. Flos kommt aus dem italienischen Entwurfsdenken, bei dem das Objekt selbst ein skulpturaler Ausdruck ist. Louis Poulsen arbeitet stärker mit Schirm-Geometrien, Flos mit Materialkontrasten und formalen Gesten. Beide Marken gehören seit 2018 zur selben Holding Investindustrial, operieren aber vollständig unabhängig.

Was bedeutet die Bellhop-Serie?

Bellhop ist eine 2017 von Edward Barber und Jay Osgerby entworfene tragbare Tischleuchte mit Lithium-Ionen-Akku. Der Name spielt auf den Hotelboy an - eine Figur, die überall hin mitgeht. Die Leuchte lädt per USB-C, leuchtet per Touch-Dimmer von warmweiß bis zu einem gedimmten Kerzenlicht und ist sowohl in der kleinen Tisch- als auch in der großen Bodenversion erhältlich. Die Outdoor-Variante ist wetterfest.

Wie pflegt man Marmor-Sockel bei Flos-Leuchten?

Carrara-Marmor, wie er bei Arco, Taccia und Snoopy eingesetzt wird, ist empfindlich gegenüber Säuren. Niemals Essig, Zitronensäure oder Kalkentferner verwenden. Nur mit einem leicht feuchten, weichen Tuch ohne Reinigungsmittel reinigen. Hartnäckige Flecken mit einem speziellen Marmorreiniger neutralen pH-Werts behandeln. Einmal jährlich mit einem farblosen Marmor-Imprägniermittel schützen.

Gibt es Garantie bei Flos?

Flos gewährt zwei Jahre Garantie auf elektrische Komponenten und fünf Jahre auf strukturelle Defekte. Voraussetzung ist der Kaufnachweis bei einem autorisierten Händler. LED-Treiber und Leuchtmittel sind als Verschleißteile von der Garantie ausgenommen, können aber über den Fachhandel als Ersatzteile bestellt werden.


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